privat

Klavierabend Michael Nuber

So.,6.12.2020 19 Uhr Schwörhaus Erika-Künzel-Platz 1), Schwäbisch Gmünd
Chopin (Scherzo Nr.2 b-moll, Ballade Nr.3 As-Dur, Nocturne, Walzer, Impromptu As-Dur) und Liszt (Dante-Sonate, Glocken von Genf, Petrarca-Sonett 104)

Chopins beliebte Scherzo b-moll gilt trotz der Molltonart als eines der liebenswürdigsten und pianistisch glänzendsten Klavierwerke Chopins. Chopin verbindet hier noch feiner als sonst eine enorme Virtuosität mit herrlichen Melodien und Harmonien. Schon Mendelsohn hat diese Form entwickelt und in der Virtuosenmusik der Zeit war sie sehr lebendig. Chopin schuf in allen vier Scherzi einen extremen Wechsel aus wilden und schnellen Hauptteilen und als Gegensatz ruhige liedhafte Mittelteile von großer Intensität. Allen gemeinsam sind auch extrem wilde Schlußsteigerungen mit zum Teil modern klingenden Akkorden.
Scherzi: Schon Mendelsohn hat diese Form entwickelt und in der Virtuosenmusik der Zeit war sie sehr lebendig. Chopin schuf in allen vier Scherzi einen extremen Wechsel aus wilden und schnellen Hauptteilen und als Gegensatz ruhige liedhafte Mittelteile von großer Intensität. Allen gemeinsam sind auch extrem wilde Schlußsteigerungen mit zum Teil modern klingenden Akkorden.

Bei der 3.Ballade As-Dur op.47 (1841) sind die Gegensätze weniger ausgeprät, sie ist insgesamt lyrischer als die Schwesterwerke. Die Entwicklung der Themen ist aber intensiv, daß genügend dramatische und lyrische Passagen das Werk beleben und zu großen Höhepunkten führen.
Balladen: Da deutliche Analogien zu den nur von Freunden überlieferten literarischen Vorwürfen fehlen, kann man sicher behaupten, daß diese Werke weitgehend frei sich aus ihrer musikalischen Substanz entwickeln. In allen 4 Balladen sind es zwei mehr oder weniger gegensätzliche Themenkomplexe, die sich verändernd abwechseln und jeweils eine der großen Formen Chopins bilden.

Die Entstehung der im zweiten Jahr der Années de Pèlerinage enthaltenen Klavierstücke sind mit Liszts erster Italienreise (1837-39) verbunden. Hatten die Reisen durch die Schweiz Liszt zur musikalischen Verarbeitung idyllischer Landschaftsstimmungen und majestätischer Naturgewalten angeregt, so waren es in Italien die bildende Kunst der Renaissance und die Dichtungen Dantes und Petrarca, die sich ihm tief einprägten.
Die Tre sonetti di Petrarca wurden ursprünglich für eine Singstimme und Klavier vertont. Gleichzeitig (1838/39) entstand auch die erste Klavierfassung des Werkes. Diese erste Version erschien 1846 im Verlag Haslinger. Die um 1850 entstandene Fassung gelangte dann in den 2. Band der Années de Pèlerinage. An diesem Abend ist das dramatische Sonetto 104 zu hören.
Das letzte Stück der Serie ist die Après une Lecture du Dante – Fantasia quasi Sonata. Die erste Fassung dieser sogenannten „Dante-Sonate“ war schon im Jahre 1837 vollendet. In der Tat hat Liszt hier eine Art sinfonischer Dichtung für das Klavier gesetzt, die ausgesprochen orchestrale Züge erkennen läßt. Damit ist nicht gesagt, dass der Satz etwa unklaviermäßig wäre. Das Instrument muss allerdings orchestralen Klangvorstellungen dienstbar gemacht werden. Dieses Werk gehört zu den schwierigsten Klavierwerken überhaupt. Der programmatische tonpoetische Inhalt ist auf die visionäre Schilderung des Inferno und der Qual der Verdammten und als lieblicher Gegensatz auf die Liebesepisode der Francesca da Rimini (Divina Commedia, Inferno V, 73 bis 142) beschränkt. Durch die phantastisch ausschweifende al-fresco-Malerei sind die Konturen der Sonatenform dennoch zu erkennen.
Liszts „Les cloches de Genève“ ist Teil der „Années de Pelerinage“ und gehört zu den lyrischen Werken des Komponisten. Die Erstfassung stammt aus den Jahren 1836-38 – also unmittelbar während oder nach der Reise mit seiner späteren Frau Marie d'Agoult – wie die meisten dieser Reiseerinnerungen wurde auch dieses Werk mehrmals überarbeitet und in den 1850er Jahren nochmal stark verändert aber auch verinnerlicht herausgegeben. Über den Genfer See schwebende Glocken waren sicher die Inspirationsquelle, doch Liszt steigert die Motive zu einem leidenschaftlichen Höhepunkt – am Ende versinkt es wieder in grüblerische Gedanken.

Chopin: Nocturnes: Die vielschichtigen, oft schwermütigen Charakterstücke Chopins gehören trotz ihrer Kürze zu seinen großen Meisterwerken.
Dabei entfalten sich die von der rechten Hand gespielten Melodiebögen über dem Klangteppich der am Geschehen beteiligten Begleitfiguren der linken Hand, deren modulatorische Verflechtungen – häufig bereichert durch latente Mehrstimmigkeit – den träumerischen und dunklen Charakter der Stücke tragen.
Viele der Stücke besitzen aufgewühlte Mittelteile, die zum Teil das Nocturne zu balladenähnlichen Werken weiterentwickelt. Da er sich das ganze Leben mit Nocturnes beschäftigt hat, sieht man auch hier Chopins Weiterentwicklung in der Harmonik - eine immer weiter verfeinerte Behandlung des harmonischen Geschehens, das zum wesentlichen Träger der musikalischen Aussage wird und die oberflächlich vorhandene Melodie bei den Spätwerken zur Nebensache werden läßt.
In Chopins Nocturnes wird die nächtliche Natur in den Hintergrund gedrängt - der Mensch mit seinen feinen Stimmungen und Empfindungen wird in seiner Einsamkeit in den Mittelpunkt gerückt. Die Natur wird in der menschlichen Vorstellung erlebt, das ungewöhnliche hypersensible Wesen Chopins spricht direkt zu uns.



Frédéric Chopin (1810-49), geboren bei Warschau, begibt sich 1829 auf seine erste Konzertreise nach Wien, Prag und Dresden. 1830 verläßt er für immer seine polnische Heimat, wohnt ab 1831 in Paris (nach der blutigen Niederwerfung des polnischen Aufstandes durch die Russen). Mit Komponisten wie Berlioz, Liszt und Paganini steht er im Mittelpunkt des Pariser Musik- und Gesellschaftslebens. Deutschlandreisen 1834 und 1836, Freundschaften zu Mendelssohn, Schumann und Clara Wieck. Ab 1837 Beeiträchtigung durch Lungenleiden. 1838 bis 1847 lebt er mit der Schriftstellerin George Sand auf Landgut Nohant, mit ihr im Winter 1838/39 im Kartäuserkloster Valdemosa auf Mallorca. Letztes Konzert in Paris 1848.
Abgesehen von 20 Liedern, dem Klaviertrio g-moll, 3 Werken für Cello und Kl. und den Rossini-Variationen für Flöte und Kl. hat Chopin ausschließlich Klavierwerke hinterlassen und , von den Sonaten abgesehen, vielseitig abgewandelte Kleinformen geschaffen, die zum Vollkommensten der Romantik zählen.
Die Schwerpunkte von Chopins Klavierstil liegen:
1. auf einer ausdrucksstarken, eigenständigen Melodik, die allenfalls in Nationaltänzen slawische Folklore verarbeitet,
2. auf einer abwechslungsreichen, in Tanzformen markanten Rhythmik
3. auf einer feinsinnigen Ornamentik, die Chopin zu einem Höhepunkt romantischer Verzierungskunst ausbildet
4. auf einer reichen, durch Vorhaltsbildungen belebten Harmonik
5. auf einer kühnen, zukunftsweisenden (auf Skrjabin deutenden) Chromatik,
6. auf einer differenzierten, oft eigenwilligen, mit Vorliebe enharmonischen Möglichkeiten ausschöpfenden Modulationstechnik.

Wichtige Klavierwerke
24 Préludes op.28, 4 Balladen, 21 Nocturnes, ca. 58 Mazurken, ca. 15 Polonaisen, 4 Scherzi, 3 Klaviersonaten, 4 Impromptus, Fantasie f-moll, Barcarolle Fis-Dur, ca. 19 Walzer, 2 Klavierkonzerte



Franz Liszt (1811-86) geb. in Raiding (Ungarn) als Sohn deutschstämmiger Eltern. Erster Klavierunterricht beim Vater. Nach Konzerterfolgen des neunjährigen Wunderkinds in Ödenburg und Preßburg Bewilligung eines Ausbildungsstipendiums durch versch. ungarische Grafen für 6 Jahre. 1821 mit der Familie nach Wien. Dort Unterricht bei Carl Czerny und Antonio Salieri. 1823 mit der Familie nach Paris, Kompositionsunterricht bei Ferdinando Paer und Anton Reicha. Die Ideale der franz. Romantik prägen seine Persönlichkeit. Balsac, Bellini, Berlioz, Cherubini, Chopin, Dumas, Delacroix, Heine, Hugo, Lamartine, Meyerbeer, und Rosini zählen zu seinen Freunden.
1824-27 triumphale Konzerterfolge in ganz Europa. Unter dem Eindruck von Paganinis erstem Auftreten in Paris (1831) arbeitet Liszt an der Weiterentwicklung und Vervollkommnung technischer und ausdrucksmäßiger Möglichkeiten virtuoser Klaviermusik.
1835-44 lebt Liszt mit der Gräfin Marie d’agoult (3 Kinder, u.a. Cosima, die spätere Gattin von H. v.Bülow und R.Wagner).
1848 Hofkapellmeister in Weimar, lebt dort mit der Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein auf der Altenburg. In dieser Zeit Schwerpunkt der Kompositionen bei Orchesterwerken, außerdem dirigiert er zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten (u.a. Berlioz, Schumann, Wagner).
1861 gibt er dieses Amt auf und lebt nun abwechselnd in Rom, Budapest und Weimar. In Rom empfängt Liszt 1865 die vier niederen Weihen und wird Abbé. Geistliche Werke und Oratorien entstehen (Legende von der hl. Elisabeth, Christus)
1871 in Budapest königlich ungarischer Hofrat, 1875 Präsident der neugegründeten Musikakademie.
In Weimar unterrichtet er einen immer größer werdenden Schülerkreis.
In den letzten Jahren reges Reiseleben (Schweiz, Italien, England).
Stirbt 1886 während der Festspiele in Bayreuth.

Im Vordergrund seines Schaffens steht die Formung programmatischer Ideen. AUSSERMUSIKALISCHE Anregungen aus den Bereichen der Bildenden Kunst, der Literatur oder des persönlichen Erlebens werden unmittelbar musikalisch nachgebildet. Besondere Bedeutung kommen der klanglichen und deklamatorischen Durchgestaltung zu. Charakteristisch sind die Vorliebe für improvisatorische Ungebundenheit und die Vermeidung traditioneller Periodisierung, Kadenzierung und symmetrischer Formgebung. Angesichts stets gegenwärtiger motivischer Arbeit, fantasievoller Veränderung und Umdeutung des thematischen Materials erübrigen sich die klassischen Durchführungsteile. Zukunftsweisende Neuerungen in der Harmonik (übermäßiger Dreiklang, Quartenakkord) und chromatische Satztechnik wirken noch im Im- und Expressionismus nach. Im klaviertechnischen Bereich werden die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels (extreme Baß- und Diskantlagen, Repetitionstechnik, äußerste Nutzung dynamischer und pedalischer Wirkungen, orchestrale Fülle) voll ausgeschöpft.

Michael Nuber konzertiert sowohl als Solist und in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen (Klavierduo, mit Cello, Violine, Flöte sowie als Liedbegleiter) regelmäßig seit der Zeit seines Studiums. Er gibt jährlich über 30 Konzerte - mit etwa 16 verschiedenen Programmen. Sie führten ihn unter anderem nach Rumänien (Bukarest und Mozartfestival in Klausenburg), in die Schweiz und viele Jahre nach Großbritannien. Wiederholt wurde er engagiert vom Herzog von Württemberg. Teilnahme am Festival „Europäische Kirchenmusik“ in Schwäbisch Gmünd mit einem Liszt-Programm, Engagements bei den Schloßkonzerten in Tettnang, Altshausen, Kunstschloß Hermsdorf/Dresden und Lindach. Schwerpunkte seines umfangreichen Repertoires bilden Bach, Beethoven (alle 32 Klaviersonaten), Schubert, Chopin (Gesamtwerk), Liszt, Skrjabin und Debussy. Seit seinem 16. Lebensjahr widmet sich Michael Nuber auch der Komposition. Seither entstanden außer zahlreichen Klavierwerken einige Sonaten und Albumblätter für Flöte und Klavier, eine Fantasie für Cello und Klavier, ein Trio für Klavier, Flöte und Cello, eine Sonate für 2 Klaviere, ein Duo für Klavier zu 4 Händen (zum 25.-jährigen Jubiläum des Klavierduos Meffert/Nuber) sowie eine viersätzige Fantasie für Klavier als Psychogramm einer jungen Frau, die sich in einer ernsten Lebenskrise befindet.
Außerdem schuf er viele Transkriptionen von Liedern von Schumann, Liszt, Fauré, Debussy und Ravel und weitere Bearbeitungen von Werken von Bach, Mozart, Schubert, Franck, Bruckner u.a.

„Michael Nuber ist ein Musik-“Entrückter“ am Klavier und man versteht, wenn man ihm lauscht, wie die vergangenen Fabelgestalten Liszt und Paganini ihr Publikum völlig verzaubern konnten, daß man ihnen sogar nichtirdische Kräfte zugeschrieben hatte.“ (RZ)


Veranstaltungsort

Städtische Musikschule, Schwörhaus
Erika-Künzel-Platz 1
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 39021
07171 39022

Veranstalter

Michael Nuber
Konzertpianist
Rechbergstraße 80
73529 Schwäbisch Gmünd

07171 61118

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