Erika-Künzel-Platz 1
73525 Schwäbisch Gmünd
Häufigste Suchanfragen
Suchergebnisse
So., 8.3.2026 19 Uhr Schwörhaus (Städt. Musikschule)
Erika Künzelplatz 1
Beethoven: die drei letzten Sonaten:
Sonate E-Dur op.109
Sonate As-Dur op.110
Sonate c-moll op.111
Sonate E-Dur op.109 (1820):
Sie ist eine extrem melodieerfüllte Sonate, der Komponist verlangt immer wieder espressivo und dolce . Und der gewichtigste Satz, das Variationen-Finale, soll „mit innigster Empfindung“ vorgetragen werden. – Kein Wunder, dass Opus 109 zu den beliebtesten und meistgespielten Sonaten des späten Beethoven gehört.
„Dieseits möglicher Identitäten und Grundgestalten kann in Opus 109 ein komponiertes Zweiheits-Prinzip hörbar gemacht werden. Vivace und Adagio verhalten sich im Kopfsatz kontrastierend zueinander; auch innerhalb der zweiteiligen langsamen Variationen sind Dualismen aufspürbar. Die scheinbar dreisätzige Sonate selber bekennt sich zu verkappter Zweiteiligkeit: denn der erste Satz und das unmittelbar folgende Prestissimo bilden eine Einheit: kein Doppelstrich trennt die beiden Stücke, wohl aber verbindet ein durchgehaltenes Pedal den letzten Akkord des Kopfsatzes mit dem Anfang des Prestissimo. Antithese zu diesem zweiteiligen Sonaten-Beginn wäre demnach die gleichfalls kontrasterfüllte Einheit der Variationen.“ (Joachim Kaiser)
Sonate op.110 As-Dur (1821):
Einige Zitate belegen die Einzigartigkeit dieser späten Sonate Beethovens:
Georg Bernard Shaw: „Die schönste aller Beethoven-Sonaten“
C.M.Komma:“ Op. 110 steht als ein Hauptwerk an einem Scheitelpunkt der europäischen Musikgeschichte, da es das Klassische mit dem Barocken vermählt und mit vielen Zügen auf die Romantik und den romantischen Klassizismus vorausweist.“
Strawinsky: „Die Fuge ist der Gipfel der Sonate. Ihr großes Wunder liegt in der Substanz des Kontrapunkts und entwindet sich jeder Beschreibung.“
J.Kaiser: „Opus 110 (...), von Innigkeiten, Herrlichkeiten und gegliederten Verläufen erfüllt, von bewundernder Sekundärliteratur umzingelt: diese Sonate ist, letztes Wunder, bemerkenswert kurz. Ihre zarte Unsterblichkeit erfüllt sich in einer guten Viertelstunde.“
„Der erste Satz scheint ein Mozartsches Modell vorzurtragen, der zweite auf Gassenhauerhaftes anzuspielen, der dritte ein Passions-Rezitativ zu reproduzieren und danach das Gambensolo zur Alt-Arie „Es ist vollbracht“ aus Bachs Johannis-Passion zu zitieren, woraufhin die Fuge bachisch beginnt und romantisch-enthusiastisch endet.“ (Joachim Kaiser)
Sonate op.111, c-moll (1821/22):
Beethovens letzte Klaviersonate führt die Kompositionstechniken und Charaktere bis zum Alleräußersten und Ällerreinsten, die Musik ist hier entrückt bis zur mystischen Ekstase. Nur zweisätzig (im Ggs zur klassischen 3-4Sätzigkeit) vereinigen diese beiden Teile doch alles, was eine große Sonate ausmacht. Sie ist eines der großen Meisterwerke an der Schwelle von Klassik zur Romantik.
Nach den Skizzen zu urteilen, hatte Beethoven diese Sonate offensichtlich anders geplant. Ehe das Variationsthema der Arietta auftaucht, scheint er an eine dreisätzige Sonate gedacht zu haben, worin das jetzige Thema des ersten Satzes für den dritten Satz verwendet werden sollte.
„Unterhalb der sichtbaren Zweiteiligkeit von Opus 111 verbirgt sich eine Dreiergliederung. Man kann bereits die Entwicklung von der gewichtigen Maestoso-Einleitung über das Allegro zum Variations-Adagio als Dreiteilung begreifen. Man kann sowohl die Einleitung selber aus drei unterschiedlichen Charakteren zusammengesetzt finden, wie auch den dann folgenden dreigeteilten Kopfsatz und die Variationen, die gleichfalls eine klare Dreiergruppierung erkennen lassen: Thema samt Variation 1-3, die Doppelvariation 4 als riesigen Mittelteil, darauf die Synthese der letzen Variationen. Beethoven aber unterläuft das Zweierschema, denn diese Dreierstrukturen widersprechen auch folgendermaßen: der pp-C-Dur-Schluss des ersten Satzes scheint bereits Arietta-Ruhe zu antizipieren; die Riesensteigerungen der letzten Variation wiederum werden von der Satzüberschrift „molto semplice e cantabile“ kaum mehr gedeckt, kaum noch erreicht. Da spricht die Musik durchaus im Ton eines enthusiastischen C-Dur-Finales. Erst die Coda stellt den Adagio-Frieden wieder her, auf neuer Stufe, Abschied nehmend.“ (Joachim Kaiser)
Ludwig van Beethoven (1770-1827), geb. in Bonn als Sohn eines kurfürstlichen Hofmusikers, tritt schon als 8-jähriger als Pianist auf. Musikunterricht beim Vater, später bei Chr. G.Neefe (sächsischer Kapellmeister). 1784 2. Hoforganist und Bratschist im Hoforchester. 1792 nach Wien, dort Unterricht bei Haydn, Albrechtsberger und Salieri.
Bald große Erfolge als Pianist und Komponist. Wird von zahlreichen sehr einflußreichen Gönnern gefördert.
Um 1800 einsetzende Schwerhörigkeit, ab 1819 vollkommen taub, jedoch Kompositionen bis zum Lebensende.
32 Klaviersonaten, 16 Streichquartette, 9 Sinfonien, Klaviertrios und weitere Kammer- und Klaviermusik.
Beethovens Klavierwerk, das an C.Ph.E.Bach, Haydn, Mozart und Clementi anknüpft, nimmt in seinem Gesamtschaffen einen zentralen Raum ein. Es vollendet die Entwicklungsverläufe des 18. Jh. und schafft im formalen und kompositionstechnischen Bereich richtungsweisende Maßstäbe für das 19. Jh.
Die Klaviersonaten Beethovens:
Der berühmte Komponist und Pianist Ferruccio Busoni nannte die 32 Sonaten Beethovens das „Neue Testament der Klavierliteratur“, und es ist seit Beethoven eines der höchsten Ziele eines Pianisten, diese 32 Sonaten zyklisch aufzuführen.
Unter diesen Sonaten befinden sich berühmte wie die „Mondschein-Sonate“, die „Pathetique“, die „Appassionata“, „Der Sturm“, „Pastorale“, „Les Adieux“, „Hammerklavier-Sonate“, „Waldstein-Sonate“ u.a., aber auch viele ohne Namen, die auf keinen Fall weniger interessant sind, die aber kaum aufgeführt werden.
Die Klaviersonaten nehmen in Beethovens Schaffen eine ähnlich gewichtige Stellung ein wie die Sinfonien und die Streichquartette, sie begleiten als „heimlicher“ Zyklus sein Leben vom Beginn bis zum Ende. Darüber hinaus beanspruchen sie ihren besonderen Rang aufgrund der Tatsache, dass das Klavier Beethovens „eigenes“ Instrument war, auf dem er solistisch hervortrat und mit dem er einen beträchtlichen Anteil seines Ruhms als Virtuose und Improvisator errang.
Der berühmte Musikschriftsteller Joachim Kaiser schreibt: „Die Sonaten sind ein Werkkosmos im Beethovenschen Gesamtkosmos, ein intimes Laboratorium reiner Produktivität. (...), dass Beethoven seine Bekenntnisse allmählich zu ungeheuren, über die subjektive Empfindsamkeit hinausgreifenden Appellen, zu Tragödien und riesigen Bereicherungen einer Form, zu expressionistischen, klassizistischen, historisierenden, weit vorausgreifenden und bewusst rückwärts gewandten Unternehmungen steigerte. Beethovens geniale Unfähigkeit, sich zu wiederholen, seine nur mit Bewunderung zu konstatierende Fähigkeit, Zartes, Zärtliches, Einsilbiges, Wildes immer ganz neu zu sagen: das alles muss für ihn ein elementares Nicht-anders-Können gewesen sein.“
Der Exzeß, das Unerhörte und Ungeheure sind wesentliche Bestandteile seiner geistigen Welt. Seine Musik bedeutet – damit ist er ganz Kind des Zeitalters der Französischen Revolution – Aufstand gegen die Konvention, gegen das Maß und die Regel.
Die Klaviersonaten
Beethoven erreicht in ihnen die optimale Ausformung des Sonatenhauptsatzes und des Sonatenzyklus.
Im Sonatenhauptsatz wird der Charaktergegensatz zwischen Haupt- und Seitenthema zum antithetischen, dualistischen Prinzip gesteigert. Das mit den beiden Themen programmierte Spannungsfeld liefert den Konfliktstoff für den Durchführungsteil. Das erste Thema verkörpert meist das männliche, rhythmische Element, das zweite Thema das weibliche, gesangliche. Beide Themen sind oft durch gleiche oder verwandte motivische Wurzeln kunstvoll voneinander abgeleitet. Die thematische Verwandtschaft bedingt, dass das zweite Thema meist nur von geringerer Bedeutung für die Durchführung ist.
4 Sonaten haben langsame Einleitungen (op.13, 78, 81a, 111), die durch Vorwegnahme motivischen Materials eng mit der folgenden Exposition verzahnt wird.
Die Reprise erscheint voll ausgeformt, die Coda entwickelt sich im Laufe seines Lebens rasch zu einem satzteilartigen Anhang (oft zu einer Art zweiter Durchführung).
Der Sonatenzyklus ist zur Viersätzigkeit erweitert. Es gibt 12 viersätzige, 13 dreisätzige und 7 zweisätzige Sonaten. Neben Sonatenhauptsatz, langsamem Satz und Rondo finden wir an Satztypen: Menuett, Scherzo, Variation, Fantasie, Trauermarsch und Fuge (bei den letzten Sonaten). Die zyklische Geschlossenheit der Sonate wird durch motivische Entsprechungen innerhalb des Themenmaterials, inhaltliche Zusammengehörigkeit der Sätze und enge Satzverbindungen erzielt (attacca-Übergänge, Teilzitate früherer Abschnitte, Verzicht auf Satzschlüsse).
Man unterscheidet 3 Perioden: op.1-22 (1795-1800), op.26-90 (1800-1814) und op.101-111 (1816-1822).
Presse:
Südkurier (Konstanz) vom 26.9.2022 zu Nubers Auftritt im Konzilsaal in Konstanz mit Beethovens 3. Klavierkonzert:
„Er präsentierte ein kantiges, durchdachtes Spiel mit virtuos gepfefferter Tonkaskaden-Akrobatik, tief in die Klaviatur versenkt bei pianissimo herausmodelliertem Klang und dem Sinn für dramatische Steigerungen in Episoden und gewaltigen, von Nuber komponierten Solokadenzen. Daraus ergab sich eine Beethoven-Interpretation, die begeisterte und in der Zugabe von Debussys „Feux d’artifice noch einmal artistisch eskalierte.“
„Man möchte den hochbegabten Künstler bald wieder, vielleicht sogar in einem der großen Konzertsäle, wiedersehen. Denn sein Klavierabend war ohne Zweifel ein Ereignis und vermittelte die Bekanntschaft mit einem bisher unbekannten Pianisten, der nicht nur eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist, sondern bei einer kontinuierlichen Entwicklung bald zur Pianistenelite zählen könnte. ... Man hat bei seinem Spiel immer das Gefühl des Hineinhorchens bei gleichzeitiger kritischer Auseinandersetzung mit der Partitur. Seine Spieltechnik ist nahezu perfekt und erlaubt ihm den Zugang zu den technisch schwierigsten Werken der Klavierliteratur. ...“ Allg. Deutsche Zeitung für Rumänien 1994
Adavanul de Cluj (Klausenburg) Dez. 1994: Über Nubers Auftritt beim Mozart-Festival in Klausenburg/Rumänien: „... das ungewöhnliche des Festivals wurde erreicht durch die Anwesenheit des deutschen Pianisten Michael Nuber. Von einer ganz außergewöhnlichen Sensibilität, mit seiner extrem expressiven Hand (...) von einer inneren Tiefe, hat Michael Nuber uns À la Chapelle Sixtine und Reminiscenses de Don Juan dargeboten mit dem Pathos und der Bewunderung eines der Welt Entrückten am Rande der Extase.“
Gäubote 2011:… schließlich Chopins „Ballade g-moll“, in der sich Nuber von einem zum anderen Extrem fast bis zur Bipolarität aufspaltete, jede Nuance mit Bedeutung auflud. Kurze Momente der Euphorie wechselten sich ab mit Passagen zusammengebissener Zähne… Ein Triumph auf ganzer Linie für einen Musiker dessen emotionale Verfasstheit nicht nur komplett in seine Musik fließt, sondern sich auch auf beeindruckende Weise in seiner Mimik und Gestik widerspiegelt. Diese alles vereinnahmende Energie belässt nun mal kein Atom an seinem Platz.…“
RZ Februar 2023: Michael Nuber spielt meisterhaft
Der Konzertpianist Michael Nuber bietet alle paar Wochen in Schwäbisch Gmünd fesselnde Konzertprogramme. Sein Spiel ist in jeder Hinsicht auf Top-Niveau. seine Anschlagstechnik erlaubt ihm eine unglaubliche Spannbreite der Dynamik.
Nuber beherrscht alle Techniken für die klassisch-romantische Literatur aber auch weit darüber hinaus, sein polyphones und strukturelles Denken und Fühlen schließt die Werke kammermusikalisch auf und führt den Hörer durch schwierigste Materie.
Am vergangenen Sonntag konnte man der Darbietung einer Auswahl romantischer Werke lauschen von Mendelssohn, Schumann, Chopin und Brahms. Wieder war man vom dem beseelten und packenden Spiel fasziniert. (...)
Die vier ausgewählten Werke von Brahms bestachen durch Innerlichkeit und Leidenschaft, führten aber an vielen Stellen die Hörer zum Übersinnlichen. Michael Nuber spielt solche Werke niemals konventionell. Er analysiert und findet seine Interpretation zum Teil weit ab vom üblichen Weg, aber eben in den vom Komponisten vorgegebenen Strukturen. Er schafft es dabei zu fesseln, er führt seine Zuhörer in ungeahnte Welten.
Gleich beim Capriccio fis-moll aus op.76 stand die Welt manchmal still und Nuber blickte in nicht- irdische Welten und zeigte sie mit seinem Spiel seinen Hörern. Aber auch geballte Leidenschaft in der Rhapsodie h-moll oder im Capriccio g-moll op.116/3 war zu spüren und packte die Menschen im Saal. Interessant war, mit welch freiem Tempo der Pianist die Rhapsodie gestaltete und trotzdem oder gerade deshalb den Spannungsbogen nirgends reißen ließ. Selbst das kleine Intermezzo C-Dur op.119/3 fiel durch Freiheiten des Tempos auf, aber man spürte immer, dass Nuber den harmonischen Gehalt des Werkes im Auge hatte und seine Phrasierung dadurch natürlich atmete und Zusammenhänge freilegte. So polyphon wie bei Nuber wird man selten diese Stücke von Brahms hören. Aber gerade dies führt zu einer interpretatorischen Dichte und einer Farbigkeit im Klang. (...)
RZ zu Liszt-Abend 19.11.2023:
Im zweiten Teil erklangen Bearbeitungen romantischer Opern (aus „Tristan und Isolde“ und „Rigoletto“) und der berühmte Erste Mephisto-Walzer, allesamt Werke der Klasse „fast unspielbar“. Nuber zauberte mit technischen Finessen in der Rigoletto-Paraphrase, spielte atemberaubende Läufe und Dreiklangsbrechungen, Oktaven-Passagen, filigranste Verzierungen und gestaltete aus diesen technischen Elementen reinste romantische Musik. Isoldens Liebestod spielte Nuber in einer gemischten Fassung von Liszt und Moszkowski mit einigen eigenen Veränderungen. Hier zeigte sich die Kunst des langsamen Spannungsaufbaus und die Beherrschung des Orchestralen auf dem Klavier beim riesigen Höhepunkt. Nuber singt nicht nur auf und mit dem Klavier, er schattiert auch die Klangfarben nach den jeweiligen Harmonien.Beim Mephisto-Walzer wuchs der Gmünder Konzertpianist dann nochmal über sich hinaus. Was hier an technischen Raffinessen aller Art gefordert ist, ist unglaublich. Aber Nuber spielt hier nie um der Technik-Vorführung willen, er beleuchtet das Teuflische, den Irrsinn, die Wollust, die intensivsten Leidenschaften, die man sich vorstellen kann. Und das mit einer Sicherheit bei den heikelsten Sprüngen, den irrwitzigsten Läufen, bei den tollsten Kaskaden… Selten ist man dem Teufel und der Liebe so nahe in der Musik, wie in Michael Nubers Interpretation.
Langer Beifall belohnte den Musiker – er wollte eigentlich keine Zugabe spielen. Das Publikum blieb aber einfach sitzen und wurde dann doch noch mit der Romanze aus dem Jahre 1849 belohnt. Ein wunderbar melancholisches und gesangliches Klavierwerk.
Dieser Abend wird sicher lange in Erinnerung bleiben – es war Musik und Spannung pur – eine Sternstunde mit Michael Nuber und Franz Liszt.
„Michael Nuber ist ein Musik-“Entrückter“ am Klavier und man versteht, wenn man ihm lauscht, wie die vergangenen Fabelgestalten Liszt und Paganini ihr Publikum völlig verzaubern konnten, daß man ihnen sogar nichtirdische Kräfte zugeschrieben hatte.“ (RZ)