Der Konzertpianist am Klavier.
leo welzin

Klavierabend Michael Nuber

So., 29.3.2026 19 Uhr Schwörhaus (Städt. Musikschule)
Erika Künzelplatz 1
Romantische Meisterwerke:
Chopin: Ballade As-Dur op.47, Nocturnes
Gade: Sonate e-moll
Liszt: Vallée d’Obermann, Ballade h-moll, Petrarca-Sonett, Soiree de Vienne

Chopin: Balladen: Da deutliche Analogien zu den nur von Freunden überlieferten literarischen Vorwürfen fehlen, kann man sicher behaupten, dass diese Werke weitgehend frei sich aus ihrer musikalischen Substanz entwickeln. In allen 4 Balladen sind es zwei mehr oder weniger gegensätzliche Themenkomplexe, die sich verändernd abwechseln und jeweils eine der großen Formen Chopins bilden.
Bei der 3. Ballade As-Dur op.47 (1841) sind die Gegensätze verschwommener als sonst. Die Entwicklung der Themen ist aber intensiv, dass genügend dramatische und lyrische Passagen das Werk beleben und zu großen Höhepunkten führen.

Niels Wilhelm Gade (1817-90), geb. in Kopenhagen wird 1834 Geiger in der Königlichen Kapelle und reist 1843 mit einem Staatsstipendium nach Leipzig, wo er mit Mendelssohn und Schumann verkehrt und 1847/48 die Gewandhauskonzerte dirigiert. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark (1848) wirkt er als Leiter der Musikgesellschaft, Hoforganist und Hofkapellmeister (1861) in Kopenhagen.
Mit Gade, einem der phantasiebegabtesten und eigentümlichsten romantischen Musiker, erreicht die dänische Musik ihre erste Blüte. Sein reiches Mendelssohn und Schumann verpflichtetes Instrumental- und Vokalschaffen findet international Anerkennung.
Seine Franz Liszt gewidmete (einzige) Klaviersonate e-moll op.28 ist 1840 entstanden und 14 Jahre später vollkommen neu von ihm überarbeitet. Diese Sonate zeigt den Komponisten als einen durchaus eigenständigen Musiker mit ausgeprägtem Form- und Klangempfinden, der manchmal in seinen Kompositionen bewusst verbotene Quintparallelen anwendet, um ihnen den von ihm angestrebten eigentümlichen Reiz zu geben.
Verbunden sind die einzelnen Sätze durch den fallenden Dreiklang, der das Hauptthema des ersten Satzes bildet. Im ersten und letzten Satz herrscht eine reiche Virtuosität, die ihre Vorbilder in Mendelssohns und Schumanns Werken findet.
Dieses Werk ist ein Beweis dafür, dass Gades Kompositionen zu Unrecht in Vergessenheit gerieten – vielleicht eine Folge der um 1866, nach dem Österreichisch-Preußischen Krieg einsetzenden nationalistischen Bewegung in Deutschland, zumal Gade in der Zeit nach dem Preußisch-Dänischen Krieg 1864 demonstrativ Deutschland den Rücken gekehrt hatte.
Werke: 8 Sinfonien, Ballette, Chorwerke, Lieder, Orgel- und Kammermusik, zahlreiche kleinere Klavierstücke („Tonbilder, Aquarelle, Albumblätter, Idyllen u.a.

Liszt: Ballade h-moll
Liszts Balladen gehören nicht zu seinen häufig gespielten Werken. Die Ballade h-moll ist eines der bedeutendsten Klavierwerke dieser Epoche und stellt diesen Komponisten auf eine Ebene mit den größten Meistern des Klaviers.Die Idee, die dichterische Form der Ballade auf die Musik zu übertragen, war Chopins ureigenste, und ihm ist es am vollkommensten gelungen, eine rhapsodisch-düstere Erzählung in Tönen zu formen. Liszt hat sich in seiner h-Moll-Ballade direkt auf dieses Vorbild bezogen und dadurch wiederum Brahms inspiriert, der ihn gerade 1853 in Weimar besuchte.
In der h-Moll-Ballade wirkt außerdem das Vorbild der h-Moll-Sonate nach, die Liszt ebenfalls in jenem Jahr vollendete. Die Ballade beginnt mit ähnlich gewagter Chromatik wie die Sonate; in der Ballade suggeriert sie freilich das düster-Verhängnisvolle, das diesem Genre grundsätzlich eignet. Ein liebliches Thema in Fis-Dur wird dem chromatischen Hauptthema gegenübergestellt. Beide Themen werden um einen Halbton höher transponiert wiederholt, dann in die stürmische Durchführung eines Allegro deciso.hineingezogen.
Eine grandiose Schluss-Steigerung verspricht der dritte Teil, Allegro moderato, doch wendet sich die Ballade ganz am Ende dem lyrischen Seitengedanken und zart-elegischem Ausdruck zu.

In „Vallée d’Obermann“ spricht eine Werther-Seele sich in schwärmerischer Naturbetrachtung aus. Was Liszt aus diesem Stoff gemacht hat ist schier unglaublich: Er legt das Werk als große sinfonische Dichtung an und fordert das Klavier nicht nur in allem technischen Belangen bis zum Äußersten sondern läßt dieses Klavier zu uns sprechen – eines der Größten und bemerkenswertesten Klavierwerke des 19. Jahrhunderts!
Die erste Fassung wurde 1835/36 unmittelbar während und nach der Schweiz-Reise komponiert und im Zyklus Album d'un Voyageur 1842 veröffentlicht.
Hier begegnet uns spontane Erfindung, überwältigende Gefühle, eine extreme Verzweiflung, der Hörer erlebt die Gestaltung der Form aus einer Quasi-Improvisation, der technische Aufwand ist fast übermenschlich. Das ganze Stück entsteht aus den ersten drei fallenden Tönen, die am Anfang verzweifelt herausgeschrien werden, um dann im Verlauf des Werkes immer wieder andere Gefühlsebenen auszudrücken.

Diese Erstfassung wurde zwischen 1848 und 1854 vollkommen neu überarbeitet – es entstand ein strenger geformtes Werk ohne improvisatorische Teile. Die Gefühle sind immer noch extrem, jedoch etwas gefasster, der technische Aufwand wird von einigem fast Unspielbarem befreit – es bleibt ein Werk auch für Virtuosen, jedoch ist dieses Element nicht mehr so augenfällig. Die zum Teil ungewöhnlichen Harmonien der Erstfassung sind ebenfalls auf eher gängige Klänge hin verändert worden. Die Zweitfassung erschien dann als Nummer 6 der Sammlung „Années de Pelerinage - Première année: Suisse“.

Beide Fassungen haben ihre Vorteile – wer das Spontane, vom unmittelbaren Eindruck überwältigte Romantiker-Herz bevorzugt, sollte die Erstfassung hören. Allerdings sollte man auf Improvisationsteile und auffallende Harmonien gefasst sein.

Die Tre sonetti di Petrarca wurden ursprünglich für eine Singstimme und Klavier vertont. Gleichzeitig (1838/39) entstand auch die erste Klavierfassung des Werkes. Diese erste Version erschien 1846 im Verlag Haslinger. Die um 1850 entstandene Fassung gelangte dann in den 2. Band der Années de Pèlerinage. Das Sonetto 104 ist das beliebteste und besitzt einen dramatischen Aufbau.



Presse:

Südkurier (Konstanz) vom 26.9.2022 zu Nubers Auftritt im Konzilsaal in Konstanz mit Beethovens 3. Klavierkonzert:
„Er präsentierte ein kantiges, durchdachtes Spiel mit virtuos gepfefferter Tonkaskaden-Akrobatik, tief in die Klaviatur versenkt bei pianissimo herausmodelliertem Klang und dem Sinn für dramatische Steigerungen in Episoden und gewaltigen, von Nuber komponierten Solokadenzen. Daraus ergab sich eine Beethoven-Interpretation, die begeisterte und in der Zugabe von Debussys „Feux d’artifice noch einmal artistisch eskalierte.“

„Man möchte den hochbegabten Künstler bald wieder, vielleicht sogar in einem der großen Konzertsäle, wiedersehen. Denn sein Klavierabend war ohne Zweifel ein Ereignis und vermittelte die Bekanntschaft mit einem bisher unbekannten Pianisten, der nicht nur eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist, sondern bei einer kontinuierlichen Entwicklung bald zur Pianistenelite zählen könnte. ... Man hat bei seinem Spiel immer das Gefühl des Hineinhorchens bei gleichzeitiger kritischer Auseinandersetzung mit der Partitur. Seine Spieltechnik ist nahezu perfekt und erlaubt ihm den Zugang zu den technisch schwierigsten Werken der Klavierliteratur. ...“ Allg. Deutsche Zeitung für Rumänien 1994

Adavanul de Cluj (Klausenburg) Dez. 1994: Über Nubers Auftritt beim Mozart-Festival in Klausenburg/Rumänien: „... das ungewöhnliche des Festivals wurde erreicht durch die Anwesenheit des deutschen Pianisten Michael Nuber. Von einer ganz außergewöhnlichen Sensibilität, mit seiner extrem expressiven Hand (...) von einer inneren Tiefe, hat Michael Nuber uns À la Chapelle Sixtine und Reminiscenses de Don Juan dargeboten mit dem Pathos und der Bewunderung eines der Welt Entrückten am Rande der Extase.“

Gäubote 2011:… schließlich Chopins „Ballade g-moll“, in der sich Nuber von einem zum anderen Extrem fast bis zur Bipolarität aufspaltete, jede Nuance mit Bedeutung auflud. Kurze Momente der Euphorie wechselten sich ab mit Passagen zusammengebissener Zähne… Ein Triumph auf ganzer Linie für einen Musiker dessen emotionale Verfasstheit nicht nur komplett in seine Musik fließt, sondern sich auch auf beeindruckende Weise in seiner Mimik und Gestik widerspiegelt. Diese alles vereinnahmende Energie belässt nun mal kein Atom an seinem Platz.…“
RZ Februar 2023: Michael Nuber spielt meisterhaft
Der Konzertpianist Michael Nuber bietet alle paar Wochen in Schwäbisch Gmünd fesselnde Konzertprogramme. Sein Spiel ist in jeder Hinsicht auf Top-Niveau. seine Anschlagstechnik erlaubt ihm eine unglaubliche Spannbreite der Dynamik.
Nuber beherrscht alle Techniken für die klassisch-romantische Literatur aber auch weit darüber hinaus, sein polyphones und strukturelles Denken und Fühlen schließt die Werke kammermusikalisch auf und führt den Hörer durch schwierigste Materie.
Am vergangenen Sonntag konnte man der Darbietung einer Auswahl romantischer Werke lauschen von Mendelssohn, Schumann, Chopin und Brahms. Wieder war man vom dem beseelten und packenden Spiel fasziniert. (...)
Die vier ausgewählten Werke von Brahms bestachen durch Innerlichkeit und Leidenschaft, führten aber an vielen Stellen die Hörer zum Übersinnlichen. Michael Nuber spielt solche Werke niemals konventionell. Er analysiert und findet seine Interpretation zum Teil weit ab vom üblichen Weg, aber eben in den vom Komponisten vorgegebenen Strukturen. Er schafft es dabei zu fesseln, er führt seine Zuhörer in ungeahnte Welten.
Gleich beim Capriccio fis-moll aus op.76 stand die Welt manchmal still und Nuber blickte in nicht- irdische Welten und zeigte sie mit seinem Spiel seinen Hörern. Aber auch geballte Leidenschaft in der Rhapsodie h-moll oder im Capriccio g-moll op.116/3 war zu spüren und packte die Menschen im Saal. Interessant war, mit welch freiem Tempo der Pianist die Rhapsodie gestaltete und trotzdem oder gerade deshalb den Spannungsbogen nirgends reißen ließ. Selbst das kleine Intermezzo C-Dur op.119/3 fiel durch Freiheiten des Tempos auf, aber man spürte immer, dass Nuber den harmonischen Gehalt des Werkes im Auge hatte und seine Phrasierung dadurch natürlich atmete und Zusammenhänge freilegte. So polyphon wie bei Nuber wird man selten diese Stücke von Brahms hören. Aber gerade dies führt zu einer interpretatorischen Dichte und einer Farbigkeit im Klang. (...)

RZ zu Liszt-Abend 19.11.2023:
Im zweiten Teil erklangen Bearbeitungen romantischer Opern (aus „Tristan und Isolde“ und „Rigoletto“) und der berühmte Erste Mephisto-Walzer, allesamt Werke der Klasse „fast unspielbar“. Nuber zauberte mit technischen Finessen in der Rigoletto-Paraphrase, spielte atemberaubende Läufe und Dreiklangsbrechungen, Oktaven-Passagen, filigranste Verzierungen und gestaltete aus diesen technischen Elementen reinste romantische Musik. Isoldens Liebestod spielte Nuber in einer gemischten Fassung von Liszt und Moszkowski mit einigen eigenen Veränderungen. Hier zeigte sich die Kunst des langsamen Spannungsaufbaus und die Beherrschung des Orchestralen auf dem Klavier beim riesigen Höhepunkt. Nuber singt nicht nur auf und mit dem Klavier, er schattiert auch die Klangfarben nach den jeweiligen Harmonien.Beim Mephisto-Walzer wuchs der Gmünder Konzertpianist dann nochmal über sich hinaus. Was hier an technischen Raffinessen aller Art gefordert ist, ist unglaublich. Aber Nuber spielt hier nie um der Technik-Vorführung willen, er beleuchtet das Teuflische, den Irrsinn, die Wollust, die intensivsten Leidenschaften, die man sich vorstellen kann. Und das mit einer Sicherheit bei den heikelsten Sprüngen, den irrwitzigsten Läufen, bei den tollsten Kaskaden… Selten ist man dem Teufel und der Liebe so nahe in der Musik, wie in Michael Nubers Interpretation.
Langer Beifall belohnte den Musiker – er wollte eigentlich keine Zugabe spielen. Das Publikum blieb aber einfach sitzen und wurde dann doch noch mit der Romanze aus dem Jahre 1849 belohnt. Ein wunderbar melancholisches und gesangliches Klavierwerk.
Dieser Abend wird sicher lange in Erinnerung bleiben – es war Musik und Spannung pur – eine Sternstunde mit Michael Nuber und Franz Liszt.


„Michael Nuber ist ein Musik-“Entrückter“ am Klavier und man versteht, wenn man ihm lauscht, wie die vergangenen Fabelgestalten Liszt und Paganini ihr Publikum völlig verzaubern konnten, daß man ihnen sogar nichtirdische Kräfte zugeschrieben hatte.“ (RZ)


Veranstaltungsort

Städtische Musikschule, Schwörhaus
Erika-Künzel-Platz 1
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4090
07171 39022

Veranstalter

Michael Nuber
Konzertpianist
Rechbergstraße 80
73529 Schwäbisch Gmünd

07171 61118

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