Lesung Gmünder Autorenkreis

Ausstellungsansicht „Werner Henkel. Himmel und Erde – Wasser und Brot“. © VG Bild-Kunst Bonn, 2022. Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.
Ausstellungsansicht „Werner Henkel. Himmel und Erde – Wasser und Brot“. © VG Bild-Kunst Bonn, 2022. Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.

Für Werner Henkel ist die Schönheit, Vergänglichkeit aber auch die Verletzlichkeit der Natur das große Thema seiner Kunst: Eindrücklich zeigt dies derzeit die Ausstellung „Himmel und Erde – Wasser und Brot“ in der Galerie im Prediger, die neben der raumgreifenden Bodenarbeit »Was uns nährt« Fotografien, Scherenschnitte und Materialbilder des Bremer Künstlers zeigt.

Dem Gmünder Autorenkreis bietet die Ausstellung die Folie, sich in Poesie und Lyrik mit der Kunst von Werner Henkel auseinanderzusetzen. Die entstandenen Texte werden am Sonntag, 21. August, um 15 Uhr von den Autorinnen und Autoren vorgetragen. Mit der Lesung endet zugleich auch die Ausstellung.

Ausstellungsansicht „Werner Henkel. Himmel und Erde – Wasser und Brot“. © VG Bild-Kunst Bonn, 2022. Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.
Werner Henkel, Wein, lesen, 2018, Weinrispen auf Büttenpapier, 100 x 80 cm. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Werner Henkel, Wein, lesen, 2018, Weinrispen auf Büttenpapier, 100 x 80 cm. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

„Meiner Arbeit liegt ein kommunikativer Naturbegriff zugrunde“, sagt Werner Henkel. Den 1956 in Hamburg geborenen und heute in Bremen lebenden Künstler interessieren naturwissenschaftliche Methoden und energetische Vorgänge in der Natur. Der rote Faden in seinem Schaffen ist die Arbeit in und mit der Natur, die er als das begreift, was wir selbst sind. Er richtet seinen Blick auf die Schönheit und die Phänomene der Natur, auf die in ihr eingeschriebenen Dinge, auf ihre Körpersprache als Ausdruck von Lebensprozessen. Diese codierte Natur überführt er in künstlerische Zeichen und Signaturen. Er bildet Analogien zur Natur und deren Struktur- und Formbildungsprozesse. Er untersucht und ordnet, er lauscht die Sprache der Natur, er dechiffriert, was die Natur in schweigender Weise an uns heranträgt. Dazu dienen ihm die unterschiedlichsten Medien: Zeichnung, Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation.

Die mit »Himmel und Erde – Wasser und Brot« überschriebene Ausstellung spannt einen Bogen über gut 25 Schaffensjahre sowie wichtige Werke und Werkphasen des Künstlers: Von einer Blattschnitt-Arbeit aus den 1990er Jahren und Collagen mit Pflanzenpressungen (2009) über Lötkolbenzeichnungen auf Toastbrotscheiben (2021) bis hin zu der eigens für die Gmünder Werkschau konzipierten Bodenarbeit „Was uns nährt“, bestehend aus Erde, Wasser, Getreide und Salz. Zusammengenommen lässt die Ausstellung über die essenzielle Einheit von Mensch und Natur nachdenken, ein Aspekt, der sich als roter Faden durch das vielgestaltige Werk des Künstlers zieht.

Seit fast vier Jahrzehnten gehört Werner Henkel mit seinen Arbeiten in und mit der Natur zu den ebenso konsequenten wie exponierten Vertretern der Naturkunst, die er mit seinen Werken immer wieder inhaltlich und formal erweitert hat. Sein Interesse gilt ästhetischen Phänomenen in der Natur, ihren Energien und wandelnden Ausdrucksformen. Sein Schaffen basiert auf einem offenen, kommunikativen Naturbegriff, der die Natur in einem universellen Sprachzusammenhang sieht: „Ich verstehe Natur immer mehr als ein Stoffwechselfeld, nicht nur materieller und energetischer Prozesse, sondern auch als Feld eines Informationsstoffwechsels“, so der Künstler. In der ihm eigenen künstlerischen Sprache kreiert er Bedeutungsfelder für das komplexe Beziehungsgefüge von Mensch, Natur und Technik. Er befragt die äußere und die innere Natur der Dinge; er erkundet die Körpersprache der Natur als spezifischer Ausdruck von Lebensprozessen; er untersucht und ordnet; er lauscht die Sprache der Natur, die er dechiffriert und in künstlerische Zeichen und Signaturen übersetzt.

Werner Henkel, Wein, lesen, 2018, Weinrispen auf Büttenpapier, 100 x 80 cm. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Werner Henkel, Himmel und Gräser,  2010, geschliffene Fotografie auf Hartfaser 9tlg., Gesamt 120 x 120 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Werner Henkel, Himmel und Gräser, 2010, geschliffene Fotografie auf Hartfaser 9tlg., Gesamt 120 x 120 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Werner Henkels Herangehensweise ist konzeptionell, das heißt: es geht es ihm nicht darum, eine einheitliche Bildsprache zu entwickeln. Vielmehr sucht er für jede Idee, für jedes Thema, das ihn beschäftigt, die geeignete formale Lösung. Und diese kann sehr unterschiedlich sein und auch unterschiedlichen Medien angehören: der Zeichnung und der Malerei, der Skulptur oder auch der Installation. In die entstehenden Werkgruppen werden Naturmaterialien ebenso einbezogen wie Formen der Natur. Dabei steht seine Kunst immer im Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur – oder, wie es der Ausstellungstitel andeutet, zwischen Himmel und Erde.

Zum Konzept Werner Henkels in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Natur gehören wesentlich Projekte, die getragen sind von einem sensiblen ökologischen Problembewusstsein und den menschlichen Zugriff auf Natur, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und deren kulturelle und wirtschaftliche Aneignung reflektieren. Die Ausstellung visualisiert diesen Aspekt zum einen in der eigens für die Gmünder Werkschau entstandenen Bodenarbeit „Was uns nährt“, die in ihrer Materialität aus den Urstoffen Erde und Wasser sowie Getreide und Salz einen weiten Assoziationsraum eröffnet. In wechselseitigem Bezug zu der Installation stehen zum anderen Arbeiten, die das Thema Brot und seine Bedeutung für den Menschen umgreifen, im Einzelnen Zeichnungen aus dem laufenden Projekt „Zeichne mir ein Brot“ sowie jüngst entstandene Werke mit Lötkolbenzeichnung auf Toastbrotscheiben.

Werner Henkel, Himmel und Gräser, 2010, geschliffene Fotografie auf Hartfaser 9tlg., Gesamt 120 x 120 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Werner Henkel, Großes Rasenstück: Philipp Otto, Albrecht und ich 01, Scherenschnitt, Acryl auf Papier, 99 × 220 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Werner Henkel, Großes Rasenstück: Philipp Otto, Albrecht und ich 01, Scherenschnitt, Acryl auf Papier, 99 × 220 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Seit Beginn seines Schaffens arbeitet Werner Henkel mit und über Pflanzen. Blattschnitte dienen ihm ebenso als Grundlage, etwa in der gezeigten Papierarbeit „Krüge“ aus dem Jahr 1996, wie Pflanzenpressungen, abzulesen in den Collagen „Schale und Gräser“, die ebenfalls zu sehen sind. Den Blick auf einen botanischen Mikrokosmos, der zugleich für das Ganze, den Makrokosmos steht, eröffnet Henkel in einer Hommage an Philipp Otto Runge und Albrecht Dürer: im großformatigen Scherenschnitt „Großes Rasenstück: Philipp Otto, Albrecht und ich“ (2011). Darin nimmt er Dürers „Wunder botanischer Genauigkeit in Naturgröße“ (Fritz Koreny) als Vorbild, interpretiert es neu und übersetzt es in das von Runge meisterlich praktizierte Medium des Scherenschnitts, wenngleich auf die Umrisse reduziert und geweißt, ausschnitthaft und um ein Vielfaches vergrößert.

Der Natur nähert sich der Künstler seit den 1990er Jahren ebenso Arbeiten, die er in einer eigenen Werkreihe unter dem Titel „Sprache der Natur“ zusammenfasst und seither immer wieder variiert. Die Ausstellung zeigt daraus Beispiele, darunter die Arbeit „Wein, lesen“ (2018): Darin dienen dem Künstler feine, zarte, auf Büttenpapier choreografierte Weinrispen als grafische Grundelemente dazu, die Naturformen in nuancierte künstlerische Signaturen zu übersetzen. Diese künstlerische Geste verleiht dem Naturmaterial eine radikale, wenn auch zerbrechlich erscheinende Verfremdung, die deren Ästhetik, sinnliche Feinheit und Schönheit erst sichtbar werden lässt. Nicht nur in dieser Werkserie artikuliert sich Werner Henkels Naturverständnis, wonach in der Natur „alles spricht“ (Novalis).

Werner Henkel, Großes Rasenstück: Philipp Otto, Albrecht und ich 01, Scherenschnitt, Acryl auf Papier, 99 × 220 cm. © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Veranstaltungsort

Galerie im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

Veranstalter

Museum und Galerie im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

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