Zu sehen sind die Initiatoren der Gedenkveranstaltung
Bildnachweis: Markus Herrmann, Stadt GD

Enthüllung des Gedenksteins mit anschließender Diskussionsrunde zum Gedenken an den 17. Juni 1953

Einladung zur Enthüllung des Gedenksteins in Erinnerung zum 17. Juni 1953 mit anschließender Diskussionsveranstaltung

Am 17. Juni 1953 kam es in der damaligen DDR zu einem landesweiten Volksaufstand. An über 700 Orten fanden Streiks, Massendemonstrationen und politische Proteste statt. Mehr als eine Million Menschen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen beteiligten sich – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 17,3 Millionen.

Unter der Überschrift „Wir wollen freie Menschen sein!” lädt die Stadt Schwäbisch Gmünd zum Gedenken an die mutigen Menschen, die am 17.  Juni 1953 für Freiheit und Gerechtigkeit einstanden, zur Enthüllung eines Gedenksteins am Mittwoch, 17. Juni, um 18 Uhr auf dem Platz zwischen den Gebäuden Bahnhofplatz 3 und 5 ein. Initiiert wurde das Projekt von Rüdiger Freiherr von Fritsch; der ehemalige Botschafter Deutschlands in Moskau wurde 1953 – im Jahr des Aufstands – geboren und lebt heute in Schwäbisch Gmünd. Eingeweiht wird der Gedenkort von Bundespräsident a.D. Dr. Joachim Gauck. Die künstlerische Umsetzung des Denkmals durch den Bildhauer Bodo Huber wurde dank großzügiger Spenden möglich gemacht.

Im direkten Anschluss findet gegen 19 Uhr im Leutze-Saal des Congress-Centrums Stadtgarten mit dem Altbundespräsidenten, Gmünder Schülerinnen und Schülern und Rüdiger von Fritsch ein generationenübergreifendes Zeitzeugengespräch über die Bedeutung und die Auswirkungen des Volksaufstands führen. Die Moderation übernimmt Michael Länge.

Zum Hintergrund: In der 1949 gegründeten DDR war der Aufbau einer sozialistischen Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung mit großem Druck und Repressionen vorangetrieben worden. Politisch Andersdenkende wurden verfolgt und inhaftiert. Besonders Mittelstand, Bauern und Gewerbetreibende gerieten unter Druck und sollten zur Aufgabe ihrer Selbstständigkeit gezwungen werden. Zugleich war die wirtschaftliche Lage äußerst angespannt; Anfang 1953 kam es zu einer ernsten Versorgungskrise, wichtige Lebensmittel waren knapp. Als die Staatsführung höhere Arbeitsleistungen verlangte, legten die Menschen die Arbeit nieder und widersetzten sich.

Der erste Volksaufstand in einem Land des sowjetischen Machtbereichs nahm rasch politische Züge an. Gefordert wurden der Rücktritt der Regierung, freie Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener und die deutsche Einheit. Eine der bekanntesten Losungen lautete: „Wir wollen freie Menschen sein!“ Erst als die sowjetischen Besatzungstruppen massiv Gewalt anwendeten, gelang es, den Aufstand niederzuschlagen. Etwa 15.000 Menschen wurden verhaftet, es gab mindestens 55 Todesopfer, darunter sieben durch Hinrichtungen. ausende wurden zu teils langjährigen Haftstrafen und Zwangsarbeit verurteilt oder verloren ihre Arbeit.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde der 17. Juni zum „Tag der Deutschen Einheit“ erklärt und bis zur Wiedervereinigung, da es im geteilten Land keinen Nationalfeiertag gab, als nationaler Gedenktag begangen. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war der Vorbote der friedlichen Revolution von 1989, mit der die Bürgerinnen und Bürger im Osten unseres Landes die Mauer zum Einsturz brachten. Kurz zuvor hatte der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, in einer internen Sitzung gefragt: „Ist es so, dass morgen der 17. Juni ausbricht?“
Deutsche haben 1953 Mut und Zivilcourage bewiesen im Einsatz für Freiheit und demokratische Rechte – nur acht Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur.

Ihr Handeln erinnert daran: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Sie müssen verteidigt und immer wieder neu errungen werden. Dazu braucht es engagierte Demokratinnen und Demokraten. Daran erinnert dieser Gedenkort.

Zum Gedenkstein
Entworfen und gestaltet wurde der Gedenkstein von dem Schwäbisch Gmünder Künstler und Bildhauer Bodo Huber. Seine Idee: Der Block aus Diabas hält einen Moment im Strom der Zeit fest – den 17. Juni 1953. 15.000 Einschnitte stehen für die Zahl der Verhafteten und symbolisieren die Verletzungen von Menschenrechten und Lebenswegen. 55 dieser Einschnitte sind mit Edelstahl ausgelegt und erinnern an die Todesopfer.

Ermöglicht wurde dieses Werk durch die Unterstützung des Rotary Clubs Schwäbisch Gmünd, des Rotary-Distrikts 1830, des Rotary Clubs Schwäbisch Gmünd-Rosenstein, der Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd, der Eduard-Dietenberger-Stiftung, der Firma Bau-Wolf, durch Gerhard Palme, des Altersgenossenvereins 1953 und des Ideengebers Rüdiger Freiherr von Fritsch.

Der Gedenktag und das Immaterielle Kulturgut der Altersgenossenfeste
Getragen wird der Gedenktag und das neue Denkmal auch vom Altersgenossenverein 1953 Schwäbisch Gmünd. Seit 1863 treffen sich in Schwäbisch Gmünd „Altersgenossen“ – also die im gleichen Jahr Geborenen – zu gesellschaftlichen Aktivitäten und zum Altersgenossenfest der Stadt. Die Aktivitäten bieten die Möglichkeit des Kennenlernens und der Integration - für Neubürger und auch für Menschen, die aus anderen Ländern in die Stadt ziehen. Bürgerschaftliches und soziales Engagement wie auch die Verbundenheit mit der Stadt sind innerhalb der Altersgenossen-vereine stark ausgeprägt. Aufgrund dieser besonderen Ausrichtung „freier“ Menschen, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung und Solidarität verpflichtet fühlen, wurde die Tradition im Jahr 2018 zum Immateriellen UNESCO-Kulturerbe ernannt. Auch Rüdiger von Fritsch ist Mitglied im Altersgenossenverein 1953.

Pädagogisch-didaktisches Konzept
Um das Projekt vor allem für junge Menschen und Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen und in die Zukunft der Bildungslandschaft zu tragen, wurde parallel ein pädagogisch-didaktisches Konzept initiiert, das den 17. Juni 1953 und damit zu verbindende allgemeine Überlegungen stärker in den Schulunterricht tragen soll. Das pädagogisch-didaktische Konzept wurde von Studiendirektorin Ingvelde Scholz erstellt, die örtliche Schule und das Kultusministerium konnte für das Projekt gewonnen werden. Erste Veranstaltungen in Schulen haben stattgefunden.

Den Auftakt in der Öffentlichkeit bildet dabei jetzt die Diskussionsveranstaltung im Anschluss an die offizielle Einweihung. Sie wird durch Michael Länge moderiert der bereits einmal ein Gespräch mit dem Bundespräsidenten in Schwäbisch Gmünd moderiert hat. Wesentlich soll sie aber in der Hand einer Schülerin und einer eines Schülers des örtlichen Parler-Gymnasiums liegen: Mara Szás- Menz ist Schülersprecherin und hat ungarische und amerikanische Wurzeln, Miran Özdengiz‘ Eltern sind nach Deutschland eingewanderte türkische Kurden.


Veranstaltungsort

Congress-Centrum Stadtgarten
Leutze-Saal
Rektor-Klaus-Straße 9
73525 Schwäbisch Gmünd

Veranstalter

Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Marktplatz 1
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-0
07171 603-1019

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