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Am Donnerstag, den 25.06.2026, bleiben die städtischen Dienststellen aufgrund einer Personalversammlung am Vormittag für den Publikumsverkehr geschlossen.
23. Juni 2026
Ein schwedischer Sommernachtstraum im Stadtgarten
Schwäbisch Gmünd (sv). Trotz hochsommerlicher Temperaturen fanden am Freitag, 19. Juni, zahlreiche interessierte Frauen den Weg in den Hans-Baldung-Grien-Saal des Congress-Centrums Stadtgarten zum Frauen-Sommerempfang unter dem Motto „Ein schwedischer Sommernachtstraum – Freiheit und Gleichberechtigung für Frauen“.
Begrüßt wurden die Gäste von Elke Heer, Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Schwäbisch Gmünd. Unter den Besucherinnen befanden sich unter anderem die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, die ehemalige Landtagsabgeordnete Martina Häusler, Schwester Birgitta von den Franziskanerinnen sowie mehrere Stadträtinnen. Mit Zitaten von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf führte Elke Heer durch den Abend.
Ein Grußwort sprach Michael Schaumann, Leiter des Gmünder Hauptamtes. Mit einem Versuch auf Schwedisch sorgte er für Schmunzeln im Publikum und stellte die Frage, warum Schweden bei vielen Menschen so positiv besetzt sei. Antworten darauf gab Josefina Håkansson, gebürtige Schwedin und heute Gmünder Bürgerin. In ihrer handgefertigten schwedischen Tracht berichtete sie von der Mentalität der Schweden, vom Vertrauen in die Gemeinschaft und von dem typisch schwedischen Begriff „Lagom“ – nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig.
Kerstin Neuhaus von SOLWODI Baden-Württemberg stellte die vier Säulen des Nordischen Modells vor. Sie bearbeitete die deutsche Übersetzung des Buches „Auf der Seite der Frauen“ des schwedischen Kriminalkommissars Simon Häggström und begleitete ihn im letzten Jahr auf einer zweiwöchigen Lesereise durch Deutschland und die Schweiz. Das 1999 in Schweden eingeführte Modell richtet sich nicht gegen die Frauen in der Prostitution, sondern gegen die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. Flankiert wird dies durch Ausstiegshilfen, Präventions- und Aufklärungsarbeit sowie Maßnahmen gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. In der anschließenden Diskussion ging sie auf einen der häufigsten Einwände gegen das Nordische Modell ein: die Befürchtung, Prostitution werde dadurch in den Untergrund gedrängt. Neuhaus bezeichnete dies als einen hartnäckigen Mythos, der immer wieder angeführt werde. Die Erfahrungen aus Schweden und anderen Ländern mit Nordischem Modell sprächen vielmehr dagegen. Stattdessen würden Ermittlungen gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung erleichtert und effizienter, weil die Nachfrage in den Fokus rücke und die Betroffenen keine strafrechtlichen Konsequenzen befürchten müssten.
Marietta Hageney griff die aktuelle Debatte um das Prinzip „Ja heißt Ja“ auf. Während darüber derzeit auch in Deutschland diskutiert wird, führte Schweden eine entsprechende Regelung bereits 2018 ein.
In der anschließenden Fragerunde wurde außerdem die Bedeutung der Nachfrage diskutiert – denn ohne Freier gäbe es keine Prostitution. Musikalisch wurde der Abend von schwedischen Klängen begleitet. Neben Liedern von ABBA erklangen Stücke von Monica Zetterlund, der Gabriella-Song aus dem Film „Wie im Himmel“ sowie das schwedische Mittsommerlied „Midsommarnatt“. Zum Abschluss wartete eine typisch schwedische Tradition auf die Gäste: die Fika – eine Kaffeepause, die für Gemeinschaft und Begegnung steht. Dazu wurden selbstgebackene Bullar, schwedische Zimtschnecken, gereicht.
Die Veranstalterinnen – das Gmünder Frauenforum, die Stabsstelle für Chancengleichheit der Stadt Schwäbisch Gmünd und die Kontaktgruppe SOLWODI Ostalb – zogen ein positives Fazit. Der Abend verband schwedische Lebensart, kulturelle Impulse und aktuelle gesellschaftspolitische Fragen zu einer gelungenen Veranstaltung.
Bildunterschrift von links:
Josefina Håkansson, Elke Heer, Marietta Hageney, Kerstin Neuhaus.