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Gedenken zum 8. Mai 1945

Zum Gedenken des Endes des zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 erinnerte Oberbürgermeister Richard Arnold in der Sitzung des Gemeinderatsausschusses am Mittwoch an die Geschehnisse vor 75 Jahren. Er legte gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Dr. Joachim Bläse am Gedenkstein der damals ermordeten Robert Haidner und Heinrich Probst in der Grabenallee Rosen nieder - die Vorgaben der Corona-Verordnung lassen in diesen Tagen keine gemeinsam gefeierte Gedenkveranstaltung zu.

Die Rede von Oberbürgermeister Richard Arnold hier im Wortlaut des Manuskriptes:

Sehr geehrte Stadträtinnen,

sehr geehrte Stadträte,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Gäste,

in diesen Tagen blicken wir auch in Schwäbisch Gmünd

75 Jahre zurück.

Zurück auf das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Zurück auf bewegte und bewegende Momente

und Geschehnisse unserer Stadt und unseres Landes.

Erinnerungen, die uns auch heute noch bewegen

und betreffen.

Erinnerungen an mutige, couragierte Menschen,

die für Freiheit und Menschlichkeit ihr Leben lassen mussten.

Deshalb bitte ich Sie alle nun auch,

für diese Erinnerung sich von den Plätzen zu erheben.

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

es gibt Zeitpunkte in der Geschichte einer Stadt,

in denen sich Entwicklungen,

in denen sich Zeitläufte, Wandlungen und Umbrüche

wie in einem Brennglas bündeln.

Ein solcher Zeitpunkt war sicherlich

die erste Maiwoche des Jahres 1945.

Unsere lokalen Medien haben in den vergangenen Tagen

bereits detailliert die Aspekte jener letzten Tage

des zweiten Weltkriegs in unserer Heimat beleuchtet.

Herzlichen Dank für diese journalistischen Leistungen.

Der Dank geht dabei natürlich vor allem auch

an unseren Stadtarchivar Dr. David Schnur,

der inzwischen als kenntnisreicher, akribischer

und wissenschaftlich perfekter

wie doch auch heimatliebender Experte

die Herzen der Gmünder erobert hat.

Er hat in diesen Tagen nicht nur

die Geschehnisse jener Zeit in Erinnerung gerufen,

sondern plant bereits weitere Publikationen,

auf die ich hier kurz hinweisen will:

So werden beispielsweise

die Kriegstagebücher von Albert Deibele

und eine Studie zu Yvonne Pagniez digital veröffentlicht.

Und mit einem Internet-Blog

und mit einem Digitalangebot von Zeitdokumenten

werden darüber hinaus noch weitere spannende Aspekte

dieser zeitgeschichtlichen Epoche beleuchtet.

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

Robert Haidner und Heinrich Probst:

Hingerichtet in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1945,

stehen die Namen dieser beiden Opfer heute stellvertretend

für das erlittene Unrecht, die Unmenschlichkeit

und den blanken politischen Wahn jener Tage.

Ich werde an der Gedenkstätte in der Grabenallee

im stillen, persönlichen Gedenken eine Rose ablegen –

eine Möglichkeit des Gedenkens auch in Zeiten,

in denen eine gemeinsame Veranstaltung nicht möglich ist.

Vielleicht folgen ja auch andere dieser Idee.

Ich möchte aber heute nicht nur

an diese beiden Männer erinnern.

Sondern auch an die vielen anderen Ungenannten

jener Wochen, die – vom Schicksal und den Zeitläuften

an ihren jeweiligen Platz gestellt –

aufrecht und der Menschlichkeit verpflichtet

ihren Teil dazu beigetragen haben,

dass Leben gerettet,

dass Kulturgut erhalten

und dass dem Unrecht ein Ende gesetzt wurde.

Ich will auch erinnern an die vielen Vertriebenen,

die besonders auch in Schwäbisch Gmünd

eine neue Heimat gefunden haben,

und am Aufbau dieser Stadt segensreich mitgewirkt haben.

Es gibt viele dieser Geschichten zu erzählen –

und wir werden sie noch erzählen.

Heute und an dieser Stelle mag uns diese Erinnerung

aber auch ein Auftrag sein.

Sehr geehrte Stadträtinnen, sehr geehrte Stadträte,

angesichts der vielen Millionen Tote, Vertriebene,

angesichts des unendlichen Leids, das das Unrechtsregime

und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs verursacht hat,

verbietet sich ein plumper Vergleich der damaligen,

oft so genannten „Stunde Null“ und unserer Zeit heute.

Aber wir können in der Rückschau lernen.

Und wir können uns gerade heute die Bedeutung von Freiheit,

von dem was uns als mitfühlende

und mitdenkende „Menschen“ ausmacht,

neu bewusstmachen.

Wir haben in diesen Tagen –

jeder am eigenen Leib und an der eigenen Seele – erfahren,

wie schwer es für eine Gesellschaft wiegt,

wenn sie das Soziale,

wenn sie die Begegnung und die Nähe unterdrückt.

Begegnung, Nähe, Austausch –

gerade das macht doch eine Stadt aus.

Nicht umsonst heißt es:

„Stadtluft macht frei.“

Wer Freiheit einschränkt, wer Rechte beschneidet,

wer in die Selbstbestimmung eines jeden einzelnen eingreift,

muss dafür gute Gründe haben.

Und er muss diese Eingriffe ständig überprüfen

und neu bewerten.

Auch wir stehen heute in einer Zeit

des grundlegenden Umbruchs.

In einer Zeit des Überdenkens.

In einer Zeit, in der wir uns unseren Werten

und unseren Grundlagen neu versichern müssen.

Der Spielraum unseres Entscheidens und unseres Handels

liegt immer zwischen zwei Polen:

der Freiheit und der Sicherheit.

Entscheidungen zugunsten von mehr Sicherheit

gehen immer auf Kosten von mehr Freiheit

und umgekehrt.

Auch dies mag uns zur Verpflichtung werden,

wenn wir an den Mut, an die Zuversicht

und an die aufrechte Haltung der Menschen jener Wochen

im April und Mai vor 75 Jahren denken und erinnern.

Lassen sie uns hier in einem Moment des Schweigens

und des Andenkens innehalten.

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