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8. Januar 2025
Preisträger Godehard Joppich gestorben
Godehard Joppich, Träger des Preises der Europäischen Kirchenmusik, ist am 19. Dezember, wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag, in Rodenbach bei Hanau gestorben. Wie kein Zweiter repräsentierte er nach dem 2. Weltkrieg international den Kosmos des Gregorianischen Chorals in Praxis, Forschung, Lehre und Vermittlung.
Joppich war eine faszinierende und charismatische Persönlichkeit, die ein Feuer für den Gregorianischen Choral entzündete, das in zahlreichen Schülerinnen und Schülern bis auf den heutigen Tag brennt. Sein Wirken war von einer tiefen Spiritualität geprägt, Choralsingen war für ihn Gebet, nicht „Musik machen“. Wer je erlebt hat, wie dieser Mann mit exzellenten Kenntnissen in Bibeltext und Latein, rhetorisch virtuos und bodenständig existenziell die gregorianischen Gesänge praktizierte, der wird das wohl nie vergessen können!
1932 in Breslau geboren, kam Joppich als Kind nach Bayern, wo er nach der Schule in das Benediktinerkloster Münsterschwarzach eintrat. Nach Theologiestudium und Priesterweihe folgte das Kirchenmusikstudium in Rom. Dort lernte er den französischen Benediktinerpater Eugène Cardine kennen, der seit den 1950er Jahren dort unterrichtete und die Lehre von der Interpretation der Gesänge nach den mittelalterlichen Handschriften (Semiologie) begründete. Joppich wurde Cardines profiliertester Schüler und einer der europaweit führenden Erforscher und Interpreten des Gregorianischen Chorals. Daneben war ihm der deutsche Liturgiegesang ein großes Anliegen.
Joppich unterrichtete u.a. in München (1973-1980) und Essen (Folkwang Hochschule als erster hauptamtlicher Professor für Gregorianik und Liturgik 1980-1993). Zu seinen Internationalen Essener Sommerkursen strömten die Massen. In Schwäbisch Gmünd gab er 2004 einen unvergesslichen Meisterkurs und erhielt 2018 den Preis der Europäischen Kirchenmusik verliehen, den er aufgrund einer Erkrankung jedoch nicht persönlich entgegennehmen konnte.
Die Folkwang Hochschule verlieh ihm 2007 den Ehrendoktortitel in Musikwissenschaft, der Allgemeine Cäcilienverband Deutschlands ehrte ihn 2002 mit der Orlando-di-Lasso-Medaille.