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Von der Gruft zum HennentörleSehenswerte Gmünder Kleinode für die Mädchenwochen-Veranstalterinnen

Spannende Einsichten in das doch eigentlich bekannte Schwäbisch Gmünd bekamen die Macherinnen der Mädchenwochen sowie weitere interessierte Frauen am vergangene Samstag. Frauenbeauftragte Elke Heer und Mädchenarbeiterin Heidi Macho hatten wie jedes Jahr dafür gesorgt, dass auch für die an der Mädchenarbeit interessierten Frauen eine Veranstaltung angeboten wurde

Schwäbisch Gmünd (sv) Spannende Einsichten in das doch eigentlich bekannte Schwäbisch Gmünd bekamen die Macherinnen der Mädchenwochen sowie weitere interessierte Frauen am vergangene Samstag. Frauenbeauftragte Elke Heer und Mädchenarbeiterin Heidi Macho hatten wie jedes Jahr dafür gesorgt, dass auch für die an der Mädchenarbeit interessierten Frauen eine Veranstaltung angeboten wurde. Mit Stadtführerin Susanne Lutz konnten sie einen ebenso lehrreichen wie kurzweiligen Vormittag in Gmünds verborgenen Winkeln verbringen. Die „Minderheitenführung“ war angesagt: Hexen, Ketzer und Christusmörder standen im Mittelpunkt.

Los ging es in der Gruft der Franziskanerinnen in der Klösterle-Schule. Authentisches Flair, echte Grabtafeln, Bestattungen bis ins 18. Jahrhundert: die Besucherinnen konnten gleich zu Beginn in ein echtes Kleinod der Führung hineingehen. Am lebendigen und aktuellen Wochenmarkt vorbei führte der Weg ans Kornhaus und in den ehemaligen Judenhof. Juden hatten als sogenannte Christusmörder eine wechselvolle Geschichte in Schwäbisch Gmünd: Einerseits wurden sie als Geldleiher benötigt, um die mittelalterliche Wirtschaft in Gang zu halten, andererseits wollte man sie nicht zu nahe bei sich haben. Immer wieder wurde ein Verbot ausgesprochen, dass sich Juden in Schwäbisch Gmünd nicht ansiedeln dürfen. Bei Bauarbeiten in den 90er Jahren wurden die Reste eines jüdischen rituellen Reinigungsbades für Frauen am Kornhaus entdeckt. Gespeist wurde das Bad vom damaligen Thierbach.
Im kalten Verlies des Königsturms wusste die Stadtführerin Packendes über die der Hexerei verdächtigten Frauen zu erzählen. Viele arme Frauen waren davon betroffen: Mägde aus dem Spital, aber auch Hebammen und alleinstehende Frauen kamen in den Ruch der Hexerei, wurden gefoltert und schließlich außerhalb der damaligen Stadtmauern Gmünd aufgehängt oder verbrannt.

Am Rinderbacher Torturm gab es Zeichen zu entdecken, die einerseits von fahrenden Handwerkern angebracht wurden und etwas über die Gastfreundlichkeit in Schwäbisch Gmünd aussagten und andererseits wurde von Soldaten aus Schwäbisch Gmünd ein Stück vom Turm als Symbol für die Heimat in den Krieg mitgenommen.

Das ehemalige Haus des Henkers in der Pfitzerstrasse gab Anlass über den Beruf des Henkers zu informieren. Henker mussten außerhalb der Stadtmauern wohnen, sie waren Geächtete, und sie waren zuständig für Folterungen und Hinrichtungen, aber auch für kleinere Operationen an ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Wie ausgeschlossen aus der Gesellschaft sie waren zeigt sich daran, dass ihnen eine Heirat nur mit einer Henkerstochter möglich war, oder aber eine zum Tode verurteilte Frau entschied sich, den Henker zu heiraten, um am Leben zu bleiben. Dies war aber eine Option, die nur sehr wenige Frauen nutzten.

Am so genannten Hennentörle vorbei, einem kleinen Ausgang in der Stadtmauer, den die jungen Mädchen und Jungen nutzen, um außerhalb der Stadtmauer sich ungestört treffen zu können, fand die Stadtführung ein Ende im beschaulichen Spital-Innenhof. Letzte Auskünfte gab es dort über das „Frauenhaus“ in der Ledergasse, wobei Frauenhaus nicht im heutigen Sinne des Wortes verstanden wird, sondern die Bezeichnung für das mittelalterliche Bordell war. Aus einer Spinn- und Webstube für gefallene Mädchen hat sich im Laufe der Zeit ein lustbarer Betrieb mit einem angestellten Frauenwirt entwickelt, der die so genannte Hurensteuer an die Reichsstadt abführen musste. Verboten war der Besuch des Frauenhauses für Priester und verheiratete Männer und „Ungläubige“. Wurden sie ertappt, erwartete sie ein Tag am Pranger mit öffentlicher Zurschaustellung, die „Ungläubigen“ sogar Kastration oder Tod.

Die Führung war eine Geist und Vorstellungskraft anregende Veranstaltung im gelungenen Mix aus Information, Spaziergang und Gesprächen. Auf einen ähnlichen Rundgang können sich zwanzig Mädchen zur Walpurgisnacht am kommenden Donnerstag freuen.

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