Das Heilige Grab und die Wahre Länge Christi

22. November 2007 – 18. Mai 2008

Unbekannter Künstler, Savator mundi / Die wahre Länge Christi“, 1487, Tempera; Öl auf Holz, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd.

Gewaltige 2,35 Meter Höhe und ein Meter Breite misst das Bild, das „ain gleichnus der person cristi – die leng vnd gros“ darstellt – so hat es der Maler selbst ausdrücklich auf der 1487 datierten Holztafel dokumentiert. Formuliert wird hier nicht weniger als der Anspruch, das Abbild und die Wahre Länge Christi abzubilden. Seit der Gründung des Museums vor über 130 Jahren gehört dieses Gemälde, dessen Bildfindung in der Kunst eine Rarität darstellt, zu den Sammlungen im Museum im Prediger. Es stellt nicht nur das größte mittelalterliche Bildwerk dar, sondern es ist zweifellos auch das geheimnisvollste.

Nach eingehender Restaurierung ist dieses außergewöhnliche Tafelbild Herzstück der Ausstellung „Das Heilige Grab und die Wahre Länge Christi“. Insgesamt rund 60 Arbeiten, darunter Leihgaben aus privatem und öffentlichem Besitz, stellen das solitäre Werk zum ersten Mal nicht nur in den komplexen Zusammenhang seiner Entstehungszeit im späten Mittelalter. Sie betten es darüber hinaus ein in die Kunst- und Kulturgeschichte des Mittelalters und beleuchten dessen Bedeutung für die Region und weit darüber hinaus.

Unbekannter Künstler, Savator mundi / Die wahre Länge Christi“, 1487, Tempera; Öl auf Holz, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd.

Wie kam die „Wahre Länge Christi“ ins Bild?

Christus in überlebensgroßer Gestalt, die rechte Hand segnend erhoben, in der linken eine kristallene Weltkugel haltend, das Gesicht eingerahmt von schulterlangen, braunen Locken, den Blick starr auf den Betrachter gerichtet – auch 520 Jahre nach seiner Fertigung nimmt das Bildnis von der „Wahren Länge Christi“ in seiner Präsenz den Betrachter ganz direkt ein. Entstanden ist das Bildnis, um die Botschaft des Glaubens zu festigen und sichtbar zu machen, ganz anschaulich im Flehen der Stifter um Erlösung und Seelenheil und ablesbar auf einem Schriftband mit der Inschrift „O Ijesu filij die miserere mei“. Während Herkunft, Auftraggeber- und Urheberschaft des Gemäldes bis heute im Dunkeln liegen, steht fest: Bildnisse dieser Art gibt es in der reichhaltigen religiösen Bilderwelt nur sehr wenige. Und einzigartig ist das Motiv, vereint es doch drei im Mittelalter zentrale Typologien der Darstellung Christi: Christus als „Salvator Mundi“ (Erlöser der Welt), das „Wahre Antlitz Christi“ (Vera Icon) und die „Wahre Länge Christi“.

Doch wo nahm der mittelalterliche Künstler die „wahre Länge“, d. h. die exakten Körpermaße Christi für sein Werk her? Und woher nahm er das „wahre Bildnis“ von Christus, nach welchem er das Gesicht des Gottessohnes „nachmodelliert“ hat? Diese zentralen Fragen, die das Gmünder Gemälde aufwirft, führen nach Jerusalem zu den Anfängen des Christentums, zum Heiligen Grab und der Grabeskirche; von dort über die die Kreuzzüge und Pilgerreisen, weiter nach Lorch und wieder zurück nach Schwäbisch Gmünd, zum bedeutendsten Kunstwerk im Heiligkreuzmünster, dem Heiligen Grab.

Kaleidoskopartig liefert die Ausstellung ein Kompendium dieser Reise und bietet neue Sehzusammenhänge. Wichtige Eckpunkte sind dabei eine Ikone mit Mandylion, d.h. ein dem Glauben nach nicht von Menschenhand geschaffenes Bildnis Christi, aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts (eine Leihgabe der Museen und Galerien Schweinfurt). Daneben ein seltener Gebetssteifen, mitgebracht von einem Jerusalempilger, den die Museen Salzburg für die Ausstellung zur Verfügung stellen. Ferner ein um 1510 entstandener Auferstehungschristus als eine Leihgabe der Kirchengemeinde Heiligkreuz. Und nicht zuletzt ein 1419 datiertes Tafelbild mit dem „Schweißtuch der Heiligen Veronika“, das nicht nur das älteste mittelalterliche Gemälde der Gmünder Museums-Sammlungen repräsentiert, sondern auch eines der ältesten in Schwaben überhaupt. Zusammen mit den weiteren Exponaten liefert die Ausstellung mit dem Bildnis der „Wahre Länge Christi“ als Ausgangspunkt ein unmittelbares und besseres Verständnis jener Brückenzeit, die vom Mittelalter in die frühe Neuzeit hinüberführt.

Eröffnung

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 22. September, um 19 Uhr von Oberbürgermeister Wolfgang Leidig eröffnet. Für die EnBW ODR, der die Restaurierung des Gemäldes zu verdanken ist, spricht Karl Groß. Das Ausstellungsthema beleuchten Münsterpfarrer Robert Kloker und Museumsleiterin Dr. Gabriele Holthuis.

Öffnungszeiten, Begleitprogramm, Informationen

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa und So 11-17 Uhr, montags geschlossen. An Feiertagen 11-17 Uhr, Schließtage 24.12. / 31.12. / 1.1. / 26.,27.,31.1. / 5.2. / 21.3.

Begleitprogramm
Ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen, Aktionen für Kinder und einem Vortrag vertiefen die Ausstellung.

Adresse / Informationen
Museum im Prediger, Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd, Telefon 07171/603-4130 oder über das Internet: www.museum-galerie-fabrik.de.

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