Georg und Joseph Knödler

Visitenkarte von Joseph Kneadler (Knödler), Bretel-Bäcker in New York
StadtA GD, A3 Nr. 4521

Visitenkarte von Joseph Kneadler (Knödler), Bretel-Bäcker in New York

Die Brüder Georg und Josef Knödler waren die Kinder des Bauern Josef Knödler und seiner Frau Franziska. Das Elternhaus war zerrüttet. Wohl auch deswegen wanderten Georg und Joseph mit zweien ihrer Geschwister nach Amerika aus, hielten jedoch den Kontakt nach Gmünd.

1885, kurz vor dem Selbstmord seiner Mutter, schreibt Georg Knödler an seine Eltern und Geschwister in Gmünd. Er hält sich gerade bei seinem Bruder Joseph auf, der als Brezel-Bäcker in New York einen eigenen Betrieb führte.

StadtA GD, A3 Nr. 4521

Visitenkarte von Joseph Kneadler (Knödler), Bretel-Bäcker in New York

Nieork [New York] den 13. März 1885

Liebe Eltern und Geschwister.

Ich will nun die Feder ergreifen um Euch wissen zu lassen wie [ich] mich befinde.

Liebe Eltern, es ist schon lange, daß ich mein Elterliches Haus verlassen habe, indem ich nichts von mir hören ließ, habe [ich] aber Euch noch nicht vergessen. Sei[t]dem ich Euch den letzten Brief geschrieben habe, war ich nicht mehr in Neiork [New York], habe aber meinen Bruder Joseph immer besucht und nun bin ich bei ihm vor zehn Tage, bis ich in meinem alten Platze wieder anfange. Diesen Winter war [ich] in Hoben [Hoboken?] als Kutscher und über den Sommer arbeite ich in Jerysie [Jersey?] und verdien 10 Taler die Woche.

Liebe Eltern, von Franz und Mathilde hör ich nichts, ich weis blos, daß Franz im Land ist in einer Brauerei und Mathilde in Vieadelfiea [Philadelphia]. Liebe Eltern, seither war ich immer gesund und glücklich wie Ihr es auch sein werd. Die Geschäfte gehen wirklich schlecht, haubtsächlich vor die wo erst von Deutschland kommen und kein Englisch können. Ich hatte soweit übergenug Arbeit und guten Lohn.

Joseph war diesen Winter auch krank, ist aber wieder besser, seine Frau und Kinder sind gesund und wohl. Liebe Eltern, wenn ihr mir schreibt, schreibt mir auch was das für ein Joseph Knödler ist, wo in Gmünd gestorben ist. Ich habe es in der Zeitung gelesen. Ich habe immer noch den Gedanken um meine Mutter noch einmal zu sehen. Schreibt auch Sebastian und Adolf sollen mir auch schreiben. Anna werd wohl zu Hause sein. Sie soll mir zu Hause bleiben und soll der Mutter beistehen indem sie jetzt auch ziemlich alt ist. Wenn ich dieses Jahr glücklich bin komme ich auch bis Späthjahr nach Deutschland auf Besuch. Was macht auch meine Julieane Knödler, kommt sie auch nicht nach Amerika oder ist sie verheirahtet, ich habe immer auf sie gewardet. Sie soll mir auch schreiben indem ich jetzt mehr Zeit habe um Euch zu schreiben. Schreibt mir auch ob Vater und Mutter gesund ist. Keine Braut habe ich nicht, wenn ich nicht besser dun kann wie Mathilde und Karoliene, dann bleibe ich ledig. Es kommen sehr viele von Deutschland und wissen nicht was anzufangen. Die Fahrt ist sehr billig, vor zehn Taller kann man hierher kommen.

Ich weis sonst nicht viel zu schreiben als daß ich gesund und wohl bin wie Ihr es wohl auch sein werdet.

Ich schließe nun mein Schreiben mit vielen Grüßen von Joseph und seiner Familie. Viele Grüße an alle die nach mir fragen. Es grüßt Euch herzlich Eurer dankbarer Sohn und Bruder

Georg Knödler

 

279 Haustenstriet [No. 279 Houston Street]

New-ork, Amerika

 

[Transkription unter Benutzung von: Johannes Schüle, Auswandern. Schwäbisch Gmünder Auswanderer und ihre Briefe in die Heimat, Schwäbisch Gmünd 2010.
Erläuterungen/Ergänzungen in eckigen Klammern, Satzzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung zur Erleichterung des Leseflusses angepasst]

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