Schatzkammer

mit den autorisierten Nachbildungen der Reichsinsignien

Blick in die Schatzkammer mit den Reichsinsignien. © Museum im Prediger, Foto: Joachim Haller

Die Reichsinsignien sind der einzige, fast vollständig erhaltene Kronschatz des Mittelalters. Die reichverzierten Hoheitszeichen der römisch-deutschen Kaiser bis 1806 waren mehr als nur Symbole der kaiserlichen Herrschaft über das Abendland. Sie waren "Reichsheiligtum", ja, ein Teil der Reichsmacht selbst. Mit den echten Insignien gekrönt zu sein, war eine der wesentlichen Rechtsgrundlagen kaiserlicher Herrschaft und Macht. Ursprünglich in Nürnberg aufbewahrt, sind die Reichsinsignien gegen Ende des Heiligen Römischen Reiches aus Angst vor französischen Plünderungen nach Wien verbracht worden, wo sie heute in der Weltlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien aufbewahrt und ausgestellt werden.
Zu den bedeutendsten Teilen des Schatzes gehören die Reichskrone und der Reichsapfel sowie der Krönungsmantel und das Reichsschwert. Von diesen Herrschaftsinsignien stellten Gmünder Gold- und Silberschmiedewerkstätten sowie die Gewand- und Rüstmeisterei des Vereins Staufersaga mit Genehmigung der Schatzkammer Wien Nachbildungen her, die in ihrer kostbaren und prachtvollen Ausführung aufsehenerregend sind.

Blick in die Schatzkammer mit den Reichsinsignien. © Museum im Prediger, Foto: Joachim Haller

Die Reichskrone

Reichskrone (Replik) in der Schatzkammer. © Museum im Prediger, Foto: Joachim Haller

Die Reichskrone wurde wahrscheinlich 962 zur Kaiserkrönung von Otto I. d. Gr. (* 23. November 912; † 7. Mai 973) angefertigt und ist ein wahres Wunderwerk der Goldschmiedekunst. Acht Platten bilden das Oktogon der Reichskrone. Vier Goldemailplatten tragen biblische Motive mit jeweils 10 Saphiren und 14 Perlen. Die restlichen Platten sind mit Edelsteinen, Perlen und weiterem Zierrat ausgeschmückt. Das Kreuz über der Stirnplatte stammt aus der Zeit Heinrichs II. (1002-1024), der Bügel ist eine Ergänzung aus der Zeit Konrads II. (1024-1039). Alle Emailplatten sind inhaltlich aufeinander bezogen: an dreien benennen Inschriften die alttestamentlichen Figuren, die Propheten unter ihnen halten zudem Spruchbänder mit Zitaten ihrer eigenen Worte, welche den gemeinten Sinnbezug erhellen und gemäß dem Ordo von 960 seitdem wortgleich in der Krönungsliturgie wiederkehrten. Nur auf der Majestas-Domini-Platte steht das Zitat (Prov. Salom. 8, 15) – eine Offenbarung des im Alten Testament präexistenten Christus und Weltenherrschers – an Stelle der Inschrift. David König Israels und Prophet wie sein Sohn und Nachfolger Salomon erscheint als Sinnbild der Gerechtigkeit; Salomon als Sinnbild der Weisheit und Gottesfurcht; Isaias prophezeit dem todkranken Ezechias (Hiskia) auf dessen frommes Gebet hin 15 weitere Lebensjahre Gott begnadet den königlichen Beter, indem er sein Leben verlängert und seine Feinde niederstreckt. Die Reichskrone gilt als das imperiale Sinnzeichen, worin das letztlich im Gottesgnadentum legitimierte herrscherliche Selbstverständnis der liudolfingisch-ottonischen Dynastie seine adäquate formale Entsprechung findet.
Bei der Gmünder Nachbildung bestehen Stirnplatte, Kreuz sowie vier Emailplatten aus Gold, der Bügel und sieben Platten aus vergoldetem Silber. Es wurden Smaragde, Almandine, Granaten, Turmaline, weitere Edelsteine sowie Perlen und Glassteine verarbeitet. In der Stirnplatte unter dem Kreuz, wo einst der „Waise“, ein einzigartiger, schon im Mittelalter verloren gegangener Stein saß, wurde ein weißer Opal eingesetzt. An den Schläfenplatten hängen Perlschnüre, die im Original fehlen, in die Krone wurde eine weiße Mitra eingesetzt. Die Nachbildung der Reichskrone entwickelte sich zu einem mehrjährigen wissenschaftlichen und technischen Forschungsprojekt, das, durch Spenden finanziert, von den Gold- und Silberschmiedemeisterinnen Annelore Baukus, Justine Dalferth, Birte Lipp und Doris Raymann-Nowak durchgeführt wurde.

Reichskrone (Replik) in der Schatzkammer. © Museum im Prediger, Foto: Joachim Haller

Der Reichsapfel

Der Reichsapfel entstand um 1200 und besteht aus Gold, Edelsteinen und Perlen. Die Kugelform hatte im Altertum eine dreifache Bedeutung: Sie war Abbild des Kosmos wie der Erde und versinnbildlichte die Idee der Weltherrschaft. Mit dem aufgesetzten Kreuz erfuhr das Herrschaftszeichen eine Umdeutung in christlichem Sinn. Der vom Kreuz überhöhte Reichsapfel steht für die Herrschaft Christi über die vier damals bekannten Erdteile. So kommt auch im Reichsapfel – wie schon in der Reichskrone und dem Reichskreuz – die zentrale Idee von Christus als Herrscher über die Welt und dem Kaiser als seinem Stellvertreter zum Ausdruck.
Schon die Karolinger ließen sich nach frühbyzantinischem Vorbild mit solch einer imperialen Insignie darstellen. Ab dem 11. Jahrhundert sind Reichsäpfel aus unedlem Material als Grabbeigaben überliefert. Bis ins 18. Jahrhundert lagen bei den Reichskleinodien drei Reichsäpfel; zwei gingen 1796 bei ihrer Bergung vor den Revolutionstruppen verloren. Stilistische Gründe legen nahe, den erhaltenen Reichsapfel in das ausgehende 12. Jahrhundert zu datieren und Köln als wahrscheinlichsten Entstehungsort anzunehmen. Unklar ist, ob diese Insignie für einen staufischen Herrscher angefertigt wurde – in Betracht kämen Heinrich VI. (Krönung 1191) und Philipp von Schwaben (Krönung in Mainz 1198) – oder ob sie für den Rivalen des letzteren, den Welfen Otto IV. (Krönung in Aachen 1198), gearbeitet worden ist.
Die Gmünder Nachbildung besteht aus vergoldetem Silber, ist mit Smaragden, Granaten, Almandinen, Saphiren, Rubinen, Amethysten und Perlen besetzt; die am Original verlorengegangenen Perlenreihen um die Mitte des Globus wurden ergänzt. Angefertigt wurde die Nachbildung von Goldschmiedemeister Hans Vetter.

Der Krönungsmantel

Der kostbare, überreich mit Gold, Perlen und Emailplättchen bestickte Krönungsmantel aus Samit (geritzte Seide) wurde 1133/34 in den königlichen Hofwerkstätten in Palermo für den Normannenkönig Roger II. (* 22. Dezember 1095 in Mileto; † 26. Februar 1154 in Palermo) gefertigt. Die aufwändige Goldstickerei zeigt einen Lebensbaum, flankiert von Löwen, die Kamele überwältigen, doppelte Perlenreihen heben die Konturen der Motive hervor. Eine Bordüre mit Gold- und Perlstickerei sowie eingesetzten Emailplättchen und Emailmedaillons bildet den oberen Saum es Mantels. Er ist halbkreisförmig und wurde mittels der mit Email und Edelsteinen geschmückten Schließe über der Brust geschlossen. Zusammen mit anderen Textilien gehörte der Mantel zum normannischen Schatz, der durch die Heirat Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien in den Besitz der Staufer und in den Reichsschatz gelangte.
Die arabische Inschrift am unteren Rand des Mantels besagt, dass er in der königlichen Hofwerkstatt in Palermo im Jahre 528 (der islamischen Zeitrechnung) geschaffen wurde. Nach christlicher Zeitrechnung ist das 1133/34; der Mantel wurde somit für den König Roger II. von Sizilien angefertigt. Auch die ursprünglich altorientalischen Darstellungsmotive sind aus der arabischen Kunst entlehnt: zwei symmetrisch angeordnete Löwen, die über ein Kamel triumphieren; zwischen ihnen steht eine stilisierte Palme in der Art eines Lebensbaumes. Die Löwen symbolisieren den Herrscher, der seine Feinde besiegt. Wegen der unglaublichen Kostbarkeit des Mantels wurde er seit dem 13. Jahrhundert als Krönungsmantel der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches verwendet.
Bei der Gmünder Nachbildung handelt es sich um die erste und einzige Kopie des Krönungsmantels. Die Goldstickerei mit 43.000 Meter verschiedenster Garne wurde von einer Spezialfirma ausgeführt. Das Krönungsmantel-Team der Gewandmeisterei applizierte weit über 100 Goldsegmente und verstickte 100.000 Süßwasserperlen in einer Länge von 176 Meter. Die Schließe sowie die Emailarbeiten wurden von Hans Vetter ausgeführt.

Das Reichsschwert

Das Reichsschwert (Mauritiusschwert) wurde wohl in Frankreich für Kaiser Otto IV. (reg. 1198-1218) gefertigt. Es besteht aus einer Stahlklinge mit vergoldeter Parierstange und vergoldetem Knauf. Die prunkvolle Schwertscheide aus Olivenholz, mit Goldblech verkleidet und mit Emails und Granaten verziert, entstand um 1084 in Italien für die Kaiserkrönung Heinrichs IV (1191). Sie trägt auf jeder Seite sieben in Goldblech getriebene Herrscherbilder, die offenbar die Herrschaftsabfolge von Karl d. Gr. bis zu Heinrich III. illustrieren.
Die Nachbildung des Reichsschwertes fertigte Jürgen Musch, die Ziselierungen und Gravierungen führte Werner Wolf aus. Die Scheide ist noch nicht fertiggestellt.

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