Eduard Eisele

Briefpapier von Eduard Eisele mit der Freiheitsstatue im New Yorker Hafen
StadtA GD, A3 Nr. 4583

Briefpapier von Eduard Eisele mit der Freiheitsstatue im New Yorker Hafen

Eduard Eisele schreibt 1887 an seine Mutter Maria, die Witwe des Lammwirts Franz Josef Eisele. Sein Brief aus New York geht an die Spitalgasse, Schwäbisch Gmünd, Württemberg, Germany.

Er schreibt auf Briefpapier, das die Freiheitsstatue im New Yorker Hafen zeigt. Über dem Stadtpanorama im Hintergrund hat er handschriftlich „New York“ und „Brooklyn“ eingetragen. Eduard Eisele beschreibt das Leben in der Großstadt New York und bereitet die Reise seiner Mutter nach Amerika vor.

StadtA GD, A3 Nr. 4583

Briefpapier von Eduard Eisele mit der Freiheitsstatue im New Yorker Hafen

New-Jork 14. Juli [18]87

Liebe Mutter!

Ich sehe nun ein, daß Du dich fest entschlossen hast zu mir zu kommen. Mein Freund Naiber hat mir meinen Paß letzten Freitag gebracht. Ich sende die Vollmacht jetzt umgehend durch meinen Notar an Peter Letzer, Gemeinderath in Gmünd. Derselbe soll in meinem Namen zu Gunsten Deiner auf die Erbschaft verzichten.

Ich habe Dir schon etliche Male geschrieben und nie eine Antwort erhalten. Dasselbe war mit Tuttlingen der Fall. Es hat ein Tuttlinger die feste Behauptung aufgestellt, mein Schwager Kronenwirt Hauser wäre gestorben, es war nicht der Fall.

Wenn Du zu mir kommst, so hast Du es bei mir sehr gut. Ich verdiene gegenwärtig 12 Dollars (ca. 50 Mark) in der Woche und habe eine feste Stelle. Du wirst Dich herzlich freuen unser bald drei Jahre altes Emilie und unsern lieben Willie, 6 Monate alt, zu sehen. Ein herzig netter Bub. Ich hoffe, daß sie mir am Leben bleiben werden. Unser Willie kam am 16. Februar dieses Jahres auf die Welt und es ist alles gut abgelaufen. Wir sind gottlob alle gesund was hier nicht zu unterschätzen ist. Es ist gegenwärtig sehr heiß, wir haben schon seit 14 Tagen, jeden Tag im Durchschnitt 36 Grad Fahrenheit.

Wenn Du hieher kommst, so bringe auch Betten mit, das ist eine Hauptsache, sonst nicht viel. Die Kleider sind hier billig. Ich freue mich unendlich aufs Wiedersehen. Was thust Du allein in Gmünd. Hier in Amerika macht man sein Leben besser als draußen. Fleisch, Gemüse aller Art zu Spottpreisen. Alles, was hier teuer ist, ist das Wohnen.

Ich bitte Dich mit Gerichtsnotar zu reden, daß er die Sache jetzt soweit möge zum Abschluss bringen als er kann, da in ca. 14 Tagen die Vollmacht von mir eingeht. Du wirst Dich in die amerikanischen Verhältnisse bald schicken können. New-Jork ist eine sehr schöne Stadt umgeben vom Meere, wie Du auf dem Bild siehst. Ich fühle [mich] so wohl und glücklich wie noch nie. Zu meinen Verwandten komme ich niemals mehr hin. Was in Gmünd passiert lese ich alles hier in den Zeitungen. Ich weiß seit daß ich fort bin jeden Todesfall, Hochzeiten, Unfall pp.

Unseres kleines Emilie sagt jetzt schon „Großmama kommt von Deutschland und bringt ein Dahle (Puppe) mit“. (Dahle heist in englisch Puppe).

New-York hat 1.700.000 Einwohner und Broklyn [Brooklyn], durch eine Brücke mit New-York verbunden, ca. 1 Million. Wenn Du hierher kommst wirst Du Dir keinen Begriff machen was sie für ein Leben treiben. Das zu schildern würde ich einen Monat dazu brauchen. Indessen Ende gut alles gut. In der Hoffnung, daß wir nicht mehr lange brieflich miteinander verkehren, sondern ein frohes Wiedersehen feiern grüßt herzlich Dich Dein liebender Sohn sowie mein Frau und meine 2 lieben Kinder

Eduard

 

Meine Adresse ist:

Mr. Ed. Eisele

New-Jork

510. East 6. Street

 

[Transkription unter Benutzung von: Johannes Schüle, Auswandern. Schwäbisch Gmünder Auswanderer und ihre Briefe in die Heimat, Schwäbisch Gmünd 2010.
Erläuterungen/Ergänzungen in eckigen Klammern, Satzzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung zur Erleichterung des Leseflusses angepasst]

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