Schärtze der Sammlung.

Die Düsseldorfer Malerschule

7. November 2008 – 13. April 2009

Schätze der Sammlung
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"An allen Ecken und Enden werden Sie Werke von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule finden", so eine Kritik zur Pariser Salonausstellung 1864. Sie bezeugt die ungeheure Verbreitung und Wertschätzung von Gemälden einer Schule, die im 19. Jahrhundert unter den Kunstakademien international einen hervorragenden Ruf hatte und neben München und Berlin zu den führenden in Deutschland gehörte. Mit ihr verbinden sich Namen wie Andreas und Oswald Achenbach, Ludwig Knaus, Carl Friedrich Lessing und nicht zuletzt Emanuel Gottlieb Leutze. Von diesen Malern besitzt das Museum im Prediger insgesamt mehr als 70 Werke: Gemälde, grafische Arbeiten, Skizzenbücher und Briefe – von Emanuel Gottlieb Leutze mit 10 Gemälden sogar den weltweit größten Bestand an Ölbildern. Die Historienbilder Leutzes, der 1816 in Schwäbisch Gmünd geboren wurde und 1868 in Washington verstarb, gelten als Inkunabel des amerikanischen Patriotismus und machten die Düsseldorfer Malerschule in Amerika berühmt. Das 140. Todesjahr des Künstlers ist dem Museum im Prediger Anlass, erstmals den kompletten musealen Sammlungsbestand zur Düsseldorfer Malerschule auszustellen.

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Die Düsseldorfer Malerschule – ein Haus mit großer Tradition

„An allen Ecken und Enden werden Sie Werke von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule finden.“ – Alexandre Cantaloubes Bemerkung in seiner Kritik zur Pariser Salonausstellung des Jahres 1864 war durchaus nicht schmeichelhaft gemeint, fürchtete er doch, die französischen Künstler würden von den deutschen auf die Seite gedrängt. Zugleich aber bezeugt die Aussage auch die ungeheure Verbreitung und Wertschätzung von Gemälden einer Schule, die im 19. Jahrhundert unter den Kunstakademien international einen hervorragenden Ruf hatte und neben München und Berlin zu den führenden in Deutschland gehörte.
Die Düsseldorfer Malerschule hatte ihre Wurzeln in der um 1762 von Lambert Krahe gegründeten Zeichenschule, die 1815 zur „Königlich-Preußischen Kunstakademie“ erhoben wurde und für die sich in der Folge der Begriff „Düsseldorfer Malerschule“ prägte. Unter ihrem ersten Direktor Peter Cornelius noch ein Zentrum nazarenisch-romantischer Malerei, entwickelte sich die Akademie im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Wilhelm Schadow (Direktor 1826-1859) zu einer Institution, deren Ruf weit über Deutschland hinausging – und der junge Maler aus Skandinavien, Russland und Amerika zur Ausbildung nach Düsseldorf zog. Die Landschaftsmalerei der Düsseldorfer Malerschule, mit der sich die Namen von Andreas und Oswald Achenbach verbinden, verbreitete sich bald in ganz Europa. Damit repräsentiert diese Akademie den in der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts sich allmählich vollziehenden Wandel von der Romantik und dem Idealismus der ersten Jahrhunderthälfte hin zu einer stärkeren Hinwendung zu Realismus und Historismus nach 1848 und 1871.

Auch der Beginn der Moderne markiert einen Höhepunkt in der Geschichte der Düsseldorfer Akademie und verbindet sich mit Künstlernamen wie Heinrich Campendonk, Otto Pankok, Edward Mataré und Paul Klee. Nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich erlebte die Avantgarde ihren Aufschwung: Zu den prominenten Lehrern gehörten Joseph Beuys, Tony Cragg, Rupprecht Geiger, Nam June Paik, Günther Uecker, Fritz Schwegler, Norbert Kricke und Gerhard Richter; seit 1988 ist Markus Lüpertz Akademiedirektor.

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Emanuel Gottlieb Leutze – Rems, Rhein und Delaware

Emanuel Gottlieb Leutze (Schwäbisch Gmünd 1816-1868 Washington), dessen breitgefächertes Werk Historiengemälde, Porträts, Genreszenen und Landschaftsdarstellungen umfasst, gehört zu den führenden und prägenden Vertretern der Düsseldorfer Malerschule. Wie keine andere Künstlerpersönlichkeit seiner Zeit vereinigt er in seiner Kunst die Vorzüge der Düsseldorfer Akademie mit den Besonderheiten der amerikanischen Malerei. Im Kindesalter von neun Jahren kam Leutze 1825 in die USA und studierte in Philadelphia Malerei. Im Alter von 25 Jahren kehrte er 1841 nach Deutschland zurück, um bei Carl Friedrich Lessing an der Düsseldorfer Kunstakademie zu studieren. Leutze brachte aus den Vereinigten Staaten, deren junge Geschichte er in entscheidenden Episoden des Unabhängigkeitskampfes darstellte, nicht nur neue Bildthemen und -inhalte mit, sondern führte in der Düsseldorfer Malerschule auch innovative kompositorische und koloristische Elemente ein. Indem er die für die Düsseldorfer Malerschule charakteristische streng durchkomponierte Linienführung und Detailgenauigkeit mit dem Sinn für dramatische Effekte verband, verhalf er der Düsseldorfer Akademie zu internationaler Beachtung. 1849 malte er sein wohl berühmtestes Gemälde: „Washington Crossing the Delaware“ (George Washington überquert den Delaware). Während die erste Fassung des Gemäldes 1942 in der Kunsthalle Bremen durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, erlebte die zwei¬te Version von 1851, die sich heute im Besitz des Metropolitan Museum of Art in New York befindet, in den Vereinigten Staaten eine geradezu enthusiastische Resonanz und fand Einlass in die amerikanischen Schul- und Geschichtsbücher; das Museum besitzt einen Stahlstich mit demselben Motiv, den Leutze seinem Gmünder Freund, dem Fabrikanten, Kunstsammler und späteren Mitbegründer des Gmünder Museums Julius Erhard, zum persönlichen Geschenk machte. 1859 siedelte Leutze wieder nach Amerika über. Im Rahmen eines Staatsauftrags schuf er 1861 das monumentale Wandbild „Westward the Course of Empire takes its Way“ (Westwärts geht der Zug des Imperiums), das sich in Washington im Treppenhaus des Repräsentantenhauses befindet. Diese Werke machten Leutze in den Vereinigten Staaten zu einem der berühmtesten Maler des 19. Jahrhunderts.

Kunst von Leutze findet sich heute u. a. in Washington, New York, Philadelphia, Los Angeles, Berkeley, Brooklyn, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Karlsruhe und Stuttgart. Mit allein 10 Ölgemälden betreut das Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd die weltweit größte Sammlung von Leutze, zu der Zeichnungen, Grafiken, Skizzenbücher und Briefe hinzukommen.

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