Aufbruch in die Moderne.

Silber aus Schwäbisch Gmünd

11. Juni bis 10. Oktober

Leuchter, versilbert, um 1960/1965, Entwurf Wolfgang Karl Christian Kern, gefertigt Karl Christian Kern KG
Leuchter, versilbert, um 1960/1965, Entwurf Wolfgang Karl Christian Kern, gefertigt Karl Christian Kern KG

Die Gmünder Fabrikmarken gehen in die Juwelierläden der ganzen Welt, eine immer vollkommenere technische Herstellung gepaart mit künstlerischer Form." – Das schrieb der Gmünder Fachhochschulprofessor und Kulturforscher Walter Klein 1920 mit Blick auf die herausragende, über 600 Jahre alte Geschichte des Edelmetallgewerbes in Schwäbisch Gmünd. Dass diese Tradition bis in die Gegenwart lebendig ist, lässt erstmals die Ausstellung „Aufbruch in die Moderne. Silber aus Schwäbisch Gmünd" im Museum im Prediger erleben: Vom 11. Juni bis 10. Oktober vermitteln rund 400 ausgesuchte Objekte einen repräsentativen wie beeindruckenden Querschnitt von der Qualität moderner Silberarbeiten aus Schwäbisch Gmünd über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Im Fokus steht die breite Palette der sogenannten Korpuswaren sowie eine Auswahl feinster Bestecke. Exemplarisch wird so die Gestaltung von Silbergerät gegenwärtig, wie sie sich von der Eleganz des Art Déco über die vom Bauhaus propagierte sachlich-klare Form bis hin zum Formenvokabular unserer Tage entwickelt hat.

Leuchter, versilbert, um 1960/1965, Entwurf Wolfgang Karl Christian Kern, gefertigt Karl Christian Kern KG
Karl Dittert (1915-2013), Kaffeservice, versilbert, Holz, 1960, gefertigt von der Firma Gebr. Kühn
Karl Dittert (1915-2013), Kaffeservice, versilbert, Holz, 1960, gefertigt von der Firma Gebr. Kühn

Eröffnung

Die Ausstellung wird am Freitag, 11. Juni um 17 Uhr im Großen Saal des Predigers durch Oberbürgermeister Richard Arnold eröffnet. Zur Ausstellung sprechen Sonja Quandt, Inhaberin der Silberwarenfirma Gebrüder Kühn, Gourmet-Koch Vincent Klink, Restaurant Wielandshöhe Stuttgart, und Museumsleiterin Dr. Gabriele Holthuis. Der international renommierte Pianist Volker Stenzl gestaltet das Eröffnungsprogramm musikalisch mit Klaviermusik von Luciano Berio und Ludwig van Beethoven.

Karl Dittert (1915-2013), Kaffeservice, versilbert, Holz, 1960, gefertigt von der Firma Gebr. Kühn
Paula Strauss (1894-1943), Vase, Silber, Mondsteine, 1934-1939, Sammlung Straub
Paula Strauss (1894-1943), Vase, Silber, Mondsteine, 1934-1939, Sammlung Straub

400 Stücke - 75 Firmen und Gestalter - 60 Leihgeber

Die Schau umfasst rund 400 Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände von nicht weniger als 75 Firmen und Gestaltern. Dazu gehören auch Objekte früherer Stadtgoldschmiede sowie Stücke aus der Produktion der Gmünder Kunstgewerbeschulen. Die Palette der präsentierten Tafelgeräte spannt sich von Kaffee- und Teeservices über Becher, Kannen und Kerzenleuchter bis hin zu Schalen und Vasen. Das älteste Stück ist ein 1904 in der Fachschule produzierter Becher. Die jüngste Arbeit, eine Vase, entstand eigens zur Ausstellung und wurde im Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät hergestellt, der Nachfolgeinstitution der früheren Fachschule. Die Schau konzentriert somit die jüngste Geschichte der Gmünder Silberkultur, vom Aufbruch in die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Vertreten ist Silber der maßgeblichen Gmünder Firmen, das nach Entwürfen eigener oder freier Gestalter entstand; genannt seien Hermann Bauer, Adolf Besson, Wilhelm Binder, Gebrüder Deyhle, Gayer & Krauss, Jakob Grimminger, Kaeser & Uhlmann, Gebrüder Kühn und Otto Wolter. Dazu kommen Stücke der Firma Reiner, Krumbach, die bis heute zahlreiche Bestecke von Gmünder Firmen und Gestaltern herstellt. Daneben finden sich zahlreiche Einzelobjekte prominenter Gestalter: Als herausragende Vertreter der Bauhauszeit seien Paula Strauss, Josef Arnold, Robert Fischer und Josef Herzer genannt. Die zweite Jahrhunderthälfte verkörpern namentlich Helmut Warneke, Karl Dittert, Rolf Arnold, Andreas Moritz, Rudolf Elser, Doris Raymann-Nowak und viele mehr.

In ihrer formalen Gestaltung zeigen die Arbeiten die intensive Auseinandersetzung mit den Aspekten Form und Funktion. Deutlich werden die wegweisenden Einflüsse und die Entwurfsprinzipien des Bauhauses in der Silbergestaltung: eine reduzierte und betont strenge Formensprache, die auch für die Gestaltergenerationen nach dem Ende des Bauhauses 1933 prägend bleiben sollte.

Ausgehend von ausgewählten Objekten aus den umfangreichen Beständen des Gmünder Museums repräsentiert die Ausstellung erlesene Stücke von insgesamt 60 privaten und öffentlichen Leihgebern.

Paula Strauss (1894-1943), Vase, Silber, Mondsteine, 1934-1939, Sammlung Straub

Fabrikverkauf im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik

Parallel zu der Präsentation im Museum im Prediger gibt es im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik einen Fabrikverkauf mit den Firmen Kühn, Möhrle, Bauer, Hermann, Deusch und der Besteckfirma Reiner, die ihre aktuellen Produkte vorstellen. Zudem entfaltet eine festliche eingedeckte Tafel die hohe Tischkultur „made in Schwäbisch Gmünd".

Katalog und Begleitprogramm

Die Ausstellung begleitet ein umfangreicher Katalog, editiert im Einhorn-Verlag (232 Seiten, 28 Euro). Daneben entstand der Kurzfilm „Mondsichel und Einhorn - Silber aus Schwäbisch Gmünd", der während der Präsentation zu sehen ist.
Ein breit gefächertes Begleitprogramm bereichert und vertieft die Schau: Dazu zählen zahlreiche Führungen, Workshops für Jugendliche und Erwachse und eine Podiumsdiskussion zum Thema „Silber heute" mit prominenten Gästen.

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