Maria Kloss.

Bilder ihres Lebens

8. März – 3. Mai 2015

Maria Kloss. Bilder ihres Lebens
Maria Kloss. Bilder ihres Lebens

Angefangen hat alles 1964: Beeindruckt von den Erlebnissen einer Portugalreise malt Maria Kloss als Autodidaktin ihr erstes Bild: „Die Hühnerfrau“. Heute, gut 50 Jahre später, gehört ihr umfangreiches und mehrfach ausgezeichnetes Werk zum besten Ausdruck der Naiven Malerei in Deutschland. Und längst ist sie eine Klassikerin des Genres. Den 75. Geburtstag von Maria Kloss nimmt das Museum im Prediger zum Anlass, ihrem Schaffen eine Retrospektive zu widmen: „Bilder ihres Lebens“ heißt die Werkschau, die vom 8. März bis 3. Mai erstmals einen umfassenden Einblick in das über fünf Jahrzehnte gewachsene malerische Werk der Künstlerin gibt. Über 60 Arbeiten privater und öffentlicher Leihgeber beleuchten alle Schaffensphasen. Ein Katalog (40 Seiten, 15 Euro) begleitet die Ausstellung.

Maria Kloss. Bilder ihres Lebens
Maria Kloss, Die Hühnerfrau, 1964, Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Sammlungen Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd
Maria Kloss, Die Hühnerfrau, 1964, Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Sammlungen Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd

Bilder des Lebens – Bilder ihres Lebens

„Meine Bilder sind Ausdruck meiner Sehweise, Gefühle und Erlebnisse“, sagt Maria Kloss. Das Leben ist für die Künstlerin voller Begegnungen – und damit zentraler Bildanlass. Sie malt, was sie erlebt und gesehen hat. Sie malt „Bilder des Lebens“, die zugleich „Bilder ihres Lebens“ sind.
Mit unverstellt-unbekümmertem Blick überträgt sie die unmittelbare Lebenswelt in ihre Malerei. Das Reflektierte fließt ein in ein Universum beziehungsreicher Figurenbilder: Menschen, Katzen und Hunde, die Landschaft und Architektur eher Staffage. Ein Gefühl der Einsamkeit gibt es in ihren Bildern nicht. Die Menschen sind alle aufeinander bezogen. Ihr Blick auf die Realität überträgt sie in eine sachliche Formensprache. Die ist geprägt von einer vereinfachenden Darstellung, von kraftvollen Farben, klaren Konturen und einem ausgeprägten Willen, Flächen zu ordnen, um damit Bildräume zu öffnen.
Die Ausstellung öffnet den Blick auf die Facetten der Motivwelt von Maria Kloss und zeichnet die Konsequenz nach, mit der die Künstlerin ihren Stil über fünf Jahrzehnte verfolgt und behauptet hat: vom ersten Bild, „Der Hühnerfrau“, über frühe Porträts, „Gmünder Szenerien“ und Frauenakte; dazu Gemälde, die während eines mehrjährigen Aufenthalts in Südtirol entstanden, und welche von Reisen, darunter nach Tunesien und in den Libanon; bis hin zu ihren Bildern von Katzen, die sie als Katzenliebhaberin wieder und wieder gemalt hat.
Auf dem Feld der Naiven Malerei nimmt das fest umrissenen Werk von Maria Kloss eine eigenständige künstlerische Position ein, die durch ihre Authentizität, Individualität und Originalität nicht nur unzählige Erfolge erlangt, sondern auch weithin Anerkennung gefunden hat. Bis heute ist unverändert gültig, was Günther Wirth in seinem ebenso umfassenden wie erhellenden Text zur 1975 erschienenen ersten Monografie über das Werk von Maria Kloss schreibt: „Sie misst sich nicht an Traumwelten, Illusionen und visualisierten Visionen, sondern an dem Grad von Unbefangenheit, mit dem sie allem Sichtbaren gegenübertritt, das Leben um sich schildert, sich in Lebensschicksale anderer hineinversetzt.“ Und das zeichnet den Kern der Malerei von Maria Kloss aus. Maria Kloss malt mit unerschütterlicher Selbstverständlichkeit, unbefangen, mit bestechendem Instinkt für Komposition und Farbe, dabei unangefochten von Einflüssen und immun gegen jegliche Verunsicherung. Bei ihr ist alles authentisch und in sich stimmend – Lebens- und Darstellungsform. Weit entfernt davon anheimelnd zu sein oder nur eine heile Welt abzubilden, verbinden ihre Bilder individuelle Weltsicht mit einem humorvollen Spiel von Assoziationen.

Maria Kloss, Die Hühnerfrau, 1964, Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Sammlungen Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd
Maria Kloss, Großer Bahnhof, 1999, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm
Maria Kloss, Großer Bahnhof, 1999, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm

Biografie

Maria Kloss wird 1940 im böhmischen Ronsperg (heute Tschechien) geboren. Heute lebt und arbeitet sie im Ostalbkreis. Als Autodidaktin findet sie 1964 zur Malerei. Seit 1965 würdigen Einzel- und Gruppenausstellung ihr Werk, darunter über 60 Ausstellungsbeteiligungen in Europa und den USA, u.a. in Amsterdam, Bratislava, Chicago, Genf, Helsinki, Kopenhagen, London, New York, Oslo, Paris, Warschau und Zürich. 1970 werden ihre Bilder in der ARD-Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente“ als Sensation des Jahres auf dem Kunstmarkt gefeiert. Seit 1987 unterstreichen Arbeiten für den öffentlichen Raum ihr plastisches Können, darunter die „Katzenbank“ vor dem Schloss in Heubach (1987), die Bronzestatue von Eduard Mörike vor dessen Wohnhaus in Lorch (1990) und der „Paradiesgarten“ um die Figurengruppe Adam und Eva im Spital-Innenhof in Schwäbisch Gmünd (1993). Werke der Künstlerin befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.

Maria Kloss, Großer Bahnhof, 1999, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm
ZUM BILD