Franz Beer.

Franz Beer. Metamorphosen

31. Oktober 2003 – 22. Februar 2004

Metamorphosen
Metamorphosen

Eine Retrospektive zum 75. Geburtstag von Franz Beer ermöglicht zum ersten Mal einen umfassenden Blick auf das höchst vielfältige Œuvre des Zeichners, Malers, Plastikers und Gestalters. Gezeigt werden 85 Arbeiten aus unterschiedlichen Werkgruppen, die alle Facetten und Phasen in Beers nunmehr 50 Jahre währenden künstlerischen Schaffen dokumentieren. Die Bandbreite reicht von der immer wieder und über viele Jahre hinweg modifizierten und verfeinerten Papiercollage über die schwarzweißen Zeichnungen und Malereien der 60er Jahre bis zu den materialreichen Strukturreliefs; einbezogen ist zum ersten Mal auch das ganze Spektrum des skulpturalen Schaffens, angefangen von den Plexiglasobjekten der späten 60er Jahre bis hin zu den neuen Kastenobjekten. Ablesbar ist darin nicht nur die Auseinandersetzung mit der Kunst der amerikanischen und europäischen Avantgarde, sondern außerdem auch die Handschrift des Gestalters, der Franz Beer immer war und bis heute ist. Nicht zuletzt wird Beers konsequenter künstlerischer Weg aufgezeigt, den der Wiener, Schwäbisch Gmünder, Italiener und Kosmopolit immer ging und auf dem sich heute noch bewegt.
In Beers differenziertem Werk spielen die Themen Struktur, Oberfläche, Veränderung – die Metamorphosen – eine zentrale Rolle. Bestimmend für Beers Arbeiten ist die Materialität der äußerst sensibel gearbeiteten Oberflächen sowie die Optik und Haptik der Bild- und Objektstrukturen. In seinen Arbeiten verbindet sich amorph Naturhaftes mit streng Geordnetem. Wenig relevant ist für Beer dabei die Frage von Gegenständlichkeit oder Abstraktion – es sind vielmehr die im gegenständlichen Objekt angelegten emotionalen oder gar sinnlichen Eigenschaften und Assoziationen, die er immer wieder zitiert und denen er stets neue künstlerische Qualitäten abzuringen vermag. Dies zeigt sich im Vergleich der frühesten, mit Schriftfragmenten und Fundstücken versehenen Papiercollagen der 50er Jahre, mit den aktuellen reliefartigen Collagen; diese entstehen aus zerkleinerten Papierpartikeln, die verklebt, übereinandergelagert und nach und nach zu vielschichtigen "Collage-Geweben" verwoben werden. Ferner in den grobrindig strukturierten Bildflächen der sog. "Impasti", die Beer bis Ende der 80er Jahre mit Farbe, Gips und Acryl zu immer materialreicheren reliefierten "Farbkörpern" entwickelt hat, bis sich diese ganz von der Wand lösten und in Stelen zu freistehenden, figürlich anmutenden Elementen verselbständigt haben. Und schließlich auch in den aktuellen, collagierten Kastenobjekten, mit denen Beer das Motiv des Flügelaltars zitiert.

Licht und Schatten gehören in diesem Spektrum zu den signifikanten, weil "lebensspendenden" Gestaltungsmitteln Beers, sowohl das von außen an den Oberflächen sich brechende Licht als auch das vom Künstler in die Farben hinein gemalte Hell-Dunkel-Spektrum. Des Weiteren legt Franz Beer stets viel Wert auf die Haptik einer jeweiligen Oberflächenstruktur, und zugleich auf den Moment der Überraschung und Veränderung, der sich ergibt, wenn der Betrachter sich seinen Arbeiten nähert, entfernt und seinen Blickwinkel verändert.

Franz Beer, 1929 in Wien geboren, studierte dort an den Akademien für Angewandte Kunst und der Bildenden Künste. In den 50er und 60er Jahren lebte und arbeitete er in Italien, Frankreich und der Schweiz. In den 60er und frühen 70er Jahren lehrte er an verschiedenen Universitäten in den USA. Mit Schwäbisch Gmünd ist Beers Biografie in besonderer Weise verknüpft: 1970 übernahm er an der neugegründeten Fachhochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd eine Professur, die er bis 1991 innehatte. Seit 1992 nutzt Beer seinen Zweitwohnsitz in Venedig, wo er seit dem Jahr 2000 ständig lebt und arbeitet.

Beers Werke finden sich heute in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen von Argentinien über Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden, Schweiz bis in die USA.

Zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Texten von Nicola Meloni, Cristina Salerno, Peter Zawrel und Gabriele Holthuis (112 Seiten, 19 Euro).

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