1162.

Die Staufer und Schwäbisch Gmünd

11. Mai – 21. Oktober 2012

Die Staufer und Schwäbisch Gmünd
Die Staufer und Schwäbisch Gmünd

Als nachgewiesen älteste Stauferstadt feiert Schwäbisch Gmünd 2012 das 850-jährige Stadtjubiläum – und das städtische Museum im Prediger feiert dieses bedeutsame Ereignis vom 11. Mai bis 21. Oktober mit einer Ausstellung mit. Unter dem Titel „1162. Die Staufer und Schwäbisch Gmünd“ lassen rund 80 erlesene originale Zeugnisse, wichtige Urkunden und Modelle die Kunst und Kultur der Stauferzeit lebendig werden. Die Exponate stammen großenteils aus dem Sammlungsbestand des Gmünder Museums, ergänzt durch bedeutsame Leihgaben aus kirchlichem und privatem Besitz. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die Staufer und Schwäbisch Gmünd
Aquamanile Gießgefäß in Löwengestalt 12. Jahrhundert Buocher Keramik Fundort Speyer Leihgabe Historisches Museum der Pfalz Speyer
Aquamanile Gießgefäß in Löwengestalt 12. Jahrhundert Buocher Keramik Fundort Speyer Leihgabe Historisches Museum der Pfalz Speyer

Eröffnung

Die Ausstellung wird am Freitag, 11. Mai, um 19 Uhr im Prediger-Innenhof durch Oberbürgermeister Richard Arnold eröffnet. Zur Ausstellung spricht Dr. Monika Boosen. Die Gruppe „Zisselberg Zeisige“ gestaltet die Eröffnungsfeier mit Musik aus der Stauferzeit.

Aquamanile Gießgefäß in Löwengestalt 12. Jahrhundert Buocher Keramik Fundort Speyer Leihgabe Historisches Museum der Pfalz Speyer
Thronende Maria mit Kind (sog. staufische Madonna), Erste Hälfte 12. Jahrhundert Sandstein, Farbspuren, Leihgabe Kirchengemeinde Heiligkreuz

Schwäbisch Gmünd und die Staufer

1162 – dieses Datum in der Regierungszeit des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa markiert für Schwäbisch Gmünd ein historisch höchst bedeutendes Jahr. Eine im Jahr 1162 datierte Urkunde des Abts Kraft der Benediktinerabtei Lorch bezeugt erstmals Gmünder Bürger und dokumentiert folglich die Existenz als Stadt. Als Stadtgründer kann König Konrad III. gelten, Vater des in der Urkunde genannten Herzogs Friedrich IV., zu dessen Herrschaftsgebiet Schwäbisch Gmünd seinerzeit gehörte. Damit zählt die Siedlung an der Rems zu den ältesten Stadtgründungen der Staufer, die von einer schwäbischen Grafenfamilie zum bedeutendsten Herrscherhaus des Mittelalters emporstiegen. Mit Konrad III., Friedrich I. Barbarossa, Philipp von Schwaben, Friedrich II., Heinrich VI., Heinrich (VII.), Konrad IV., Manfred und Konradin regierten von 1138 bis 1268 neun staufische Herrscher. Eingesetzt als schwäbische Herzöge, gewählt zu deutschen Königen und erhoben in den Rang römischer Kaiser herrschten die Staufer bisweilen über weite Teile des christlichen Abendlandes und prägten die Geschichte und Kultur Europas im 12. und 13. Jahrhundert entscheidend. Während der über 100-jährigen Stauferherrschaft vollzogen sich weitgehende gesellschaftliche und wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Veränderungs- und Wandlungsprozesse. Dazu gehören vor allem die Entstehung einer städtischen Kultur und die Bildung kommunaler Zentren. Von diesen Umwälzungen mitgeprägt wurde auch Schwäbisch Gmünd. Während der Stauferzeit wurden die Weichen gestellt für das architektonische Erscheinungsbild der Stadt, wie es heute noch zu erleben ist und in der Johanniskirche eines der eindrucksvollsten staufischen Bauwerke Baden-Württembergs überliefert.

Thronende Maria mit Kind (sog. staufische Madonna), Erste Hälfte 12. Jahrhundert Sandstein, Farbspuren, Leihgabe Kirchengemeinde Heiligkreuz
Rundbogenreliefs von der Westfassade der Johanniskirche 1180 – 1220 Sandstein mit Resten einer Farbfassung Leihgabe Kirchengemeinde Heiligkreuz
Rundbogenreliefs von der Westfassade der Johanniskirche 1180 – 1220 Sandstein mit Resten einer Farbfassung Leihgabe Kirchengemeinde Heiligkreuz

Im Mittelpunkt: Staufische Madonna mit Kind

Zu den Kostbarkeiten der Präsentation gehört eine aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammende thronende Maria mit Kind: Die rund 130 cm hohe, in Sandstein gearbeitete Figur zeigt Maria als Himmelskönigin frontal auf einem Kastenthron sitzend; auf dem Schoß hält sie ihren Sohn, der seine segnende Hand emporstreckt; ihre rechte und Jesu linke Hand umgreifen einen Apfel, der Maria als neue Eva und das Jesuskind als den zukünftigen Erlöser von Sünde und Tod kennzeichnet. Diese Madonnenfigur, wie auch originale, eigens für die Schau restaurierte Rundbogenreliefs von der Johanniskirche mit figuralen und ornamentalen Motiven zeugen von der der hohen Steinmetzkunst der Stauferzeit. Ein bronzenes Vortragekreuz repräsentiert eines der wenigen erhaltenen sakralen Metallgegenstände Schwabens aus staufischer Zeit. Daneben spiegeln Ess- und Trinkgeschirr aus Ton das Alltagsleben jener Zeit. Zu bewundern ist ferner ein kunstvolles Aquamanile in Tierform, ein zu Handwaschungen genutztes Wassergefäß. Zusammen mit Architekturfragmenten und Rekonstruktionen, mit Urkunden und Modellen entsteht das Bild einer Stadt, in der am Ende des 12. Jahrhunderts bereits bis zu 3.000 Menschen gelebt und gearbeitet haben. Ergänzend dazu zeigen Filme die Entwicklung des staufischen Reiches und städtischer Metropolen wie Worms, Mailand und Palermo.

Vielfältiges Rahmenprogramm

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm ergänzt die Ausstellung. Es umfasst Führungen und Kinderangebote.

Rundbogenreliefs von der Westfassade der Johanniskirche 1180 – 1220 Sandstein mit Resten einer Farbfassung Leihgabe Kirchengemeinde Heiligkreuz
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