Dietrich Klinge.

Dietrich Klinge. Fünf Große Figuren - Neue Arbeiten

6. Juli – 23. September 2001

Dietrich Klinge. Fünf Große Figuren - Neue Arbeiten
Dietrich Klinge. Fünf Große Figuren - Neue Arbeiten

Parallel zur Museums-Ausstellung „Das Gesicht als Bild der Seele“ stellt Dietrich Klinge in einer Einzelausstellung in der Galerie zwei herausragende Schwerpunkte seines künstlerischen Schaffens vor – acht großformatige Reliefs und fünf vollplastische Skulpturen.

Anstoß zu dieser Doppelausstellung gaben fünf neue Sitzfiguren, die Dietrich Klinge soeben fertiggestellt hat und in ihrer Überlebensgröße die bislang monumentalsten Bronzen darstellen – sie setzen im umfangreichen Werk des Künstlers einen weiteren, deutlichen Akzent.

Die neuen Sitzfiguren Klinges sind mächtige, in ihren Gliedmaßen gedrungene Körper und räumlich unübersehbar präsent. Ihre herbe Faktur, der blockhafte Rumpf und die hart addierten Bogenarme der Bronzen legen ihre Abstammung von einem mit der Kettensäge bearbeiteten Holzmodell unverblümt offen. Ihre braun-grünliche Patinierung lässt die Eigenfarbe der Bronze als angejahrtes Holz erscheinen und führt zu einer optischen Metamorphose. Diese Materialverfremdung räumt den neuen Sitzfiguren Klinges, zusammen mit ihrer expressiven Ausdruckskraft, eine stilistische Unverwechselbarkeit ein. Trotz aller Expressivität sind die Figuren in ihrer Körpersprache dennoch verhalten und beherrscht. Besonders augenfällig wird diese Zurückhaltung bei der Figur mit dem Titel „Neidhart melancholicus“; eine nachdenkende männliche Sitzfigur von 191 cm Höhe, die zwei bedeutende Vorgänger in sich trägt: zum einen Dürers Stich der „Melencolia“ und zum andern Rodins „Denker“. Neidhart steht als pars pro toto für den Grad der Vergeistigung aller Figuren und vor allem für die von Klinge neu montierte Physiognomie des menschlichen Körpers, die sich weniger dem naturalistischen Menschenbild unterordnet, als vielmehr der skulpturalen Eigengesetzlichkeit der Komposition gehorcht.

Was an den fünf Sitzfiguren neu ist und fesselt, ist ihre übermenschlich große Statur, ist die körperliche Kraft und Potenz dieser hockenden Wesen, die im Vergleich zu den Bronzeköpfen in der Museums-Ausstellung und den entkörperlichten Relieffiguren sichtbar wird. In der gemeinsamen Präsentation der fünf neuen Figuren mit den acht Bronzereliefs zeichnet sich somit auch in der Galerie-Ausstellung ein Dialog ab – der zweier sehr unterschiedlicher Werkgruppen.

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