Jakob Wilhelm Fehrle.

Mädchen und Frauen. Der Bildhauer Jakob Wilhelm Fehrle

4. März – 19. Juni 2005

Mädchen und Frauen
Mädchen und Frauen

Mädchen und Frauen – das waren die Hauptmotive im Werk des Gmünder Bildhauers, Malers und Zeichners Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974). Am weiblichen Aktmodell hat Fehrle in seinem beinahe 90 Jahre währenden Leben nahezu alle Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts reflektiert: zunächst in der Zeichnung und Malerei, dann vor allem aber als vollplastisches Werk – ob in Gips und Ton modelliert, in Stein und Alabaster gehauen oder in Bronze gegossen. Der nackten weiblichen Figur gewann Fehrle vielgestaltige plastischen Möglichkeiten ab: Statik und Bewegung, Introvertiertheit und Belebung.

Unter dem Titel "Mädchen und Frauen" beleuchtet das Museum im Prediger zum ersten Mal die zentrale Bedeutung des weiblichen Aktes im Gesamtwerk des Künstlers, das sich durch seine weitgehend homogene Erscheinungsweise auszeichnet, und bis auf wenige Ausnahmen stets dem Figurativen verpflichtet ist. Dazu werden vom 4. März bis zum 19. Juni über 100 Arbeiten gezeigt, die alle Jahrzehnte in Fehrles Schaffen umfassen: neben Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafik vor allem plastischen Arbeiten, die sich, für Fehrle typisch, durch eine formale Strenge auszeichnen.

Jakob Wilhelm Fehrle, der Zeitgenossen als "Meister sensibler Geistigkeit" galt, hat in seinem langen Leben ein umfangreiches Werk geschaffen. Seine Arbeiten sind heute weit über Süddeutschland hinaus bekannt und geschätzt. Unzählig sind die Skulpturen und Figurengruppen, die er im privaten und öffentlichen Auftrag geschaffen hat – sei es für Gärten oder Plätze, für Brunnen oder Grabmäler. Somit bietet die Sicht auf Fehrles Werk nicht nur einen Blick auf eine lange Periode der Kunst- und Gesellschaftsgeschichte, die folgenreiche stilistische, ästhetische, politische und wirtschaftliche Umbruchsphasen aufweist: zu denken ist an Historismus und Jugendstil, Expressionismus und Kubismus, Kaiserreich, Weimarer Republik und zwei Weltkriege, an Nationalsozialismus und Nachkriegsdemokratie. Mit der Ausstellung wird darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, den jeweiligen gesellschaftlichen und künstlerischen Kontext herauszulesen, der sich in Fehrles Werk widerspiegelt, und die vielen Einflussfaktoren zu studieren, denen nicht nur Fehrle ausgesetzt gewesen ist.

Bestimmend für Fehrles künstlerische Entwicklung wurde sein Parisaufenthalt von 1911 bis 1914. Hier lernte Fehrle nicht nur Künstler wie Karl Albiker, Georg Kolbe, Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Pablo Picasso und Paul Klee kennen, sondern hier fand er "mit offenen Sinnen für das Neue" – so Fehrle rückblickend – zu einer eigenen Formensprache. Formale Strenge und eine Konzentration auf das Wesentliche kennzeichnen seine plastischen Arbeiten. Neben freien Arbeiten führte Jakob Wilhelm Fehrle immer auch öffentliche Auftragswerke für den Außenraum aus.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Einhorn-Verlag (72 Seiten, 21 Euro).

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