Thomas Raschke.

Passionen. Neue Arbeiten von Thomas Raschke

18. Februar – 12. Juni 2005

"Er verbindet für mich Leidenschaft und Weg miteinander" – so Thomas Raschke zum vielschichtigen Titel der Ausstellung "Passionen", die vom 18. Februar bis zum 12. Juni in der Galerie im Prediger zu sehen sein wird. Rund 50 Arbeiten sind zu einer Installation arrangiert, die auf die Geschichte des Ausstellungsraums als ehemaliges Kirchenschiff eines Dominikanerklosters Bezug nimmt. Zusammen mit ganz neuen Arbeiten wird erstmals ein Überblick über Raschkes Schaffen der vergangenen zehn Jahre gegeben.

Thomas Raschke wurde 1961 in Schwäbisch Gmünd geboren, lebt heute in Berlin und ist ein Künstler mit vielerlei Passionen: Raschke studierte an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste Malerei und Bildhauerei, erhielt 1996 ein Stipendium von der Kunststiftung Baden-Württemberg, 1999 ein weiteres von der Cité Internationale des Arts Paris sowie im Jahr 2001 den Förderpreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Neben seiner eigentlichen künstlerischen Arbeit engagiert er sich seit mehr als elf Jahren aktiv in der Berliner Kooperative "Das Deutsche Handwerk", war bis 2004 Mitglied in der süddeutschen Gruppe "Die Weissenhofer" und baut zur Zeit in Berlin-Kreuzberg die Kunstschule "Von Erlenbach" auf.

Aus Pappe, Pappmaché, Styropor, Holz oder Eisendraht schneidet, klebt oder lötet Raschke Modell-Objekte des Alltags: Flugzeuge, Schiffe, Rennwagen, Kirchen, Burgen, Schiffe oder Biedermeier-Wohnzimmer, aber auch Kriegsgerät und Kuriositäten. Als Motiv- und Inspirationsquelle für seine wand- und raumbezogenen Groß- und Kleinobjekte dient Raschke das ganze Spektrum von Gegenständen aus unserer Alltagskultur. Durch die Verfremdung in Material, Form und Proportion nimmt er diesen Dingen deren vertaute Wirklichkeit und befragt damit gleichzeitig unsere eingeübten Sehgewohnheiten.

Zur Konstruktion seiner Objekte nutzt Raschke gezielt die haptischen und optischen Qualitäten der Materialien. Oft steht dabei die Leichtigkeit der Arbeiten im Gegensatz zur inhaltlichen Aussage; diese kann eine kritische Distanz zur Realität sein oder aber alternative Phantasiewelten aufzeigen, die einfach nur mit Freude und Genuss betrachtet werden wollen: Das "Essen auf Rädern" liefert Raschke als Brotlaib auf den Rollen eines Skateboards, sein "Rennwagen" aus Pappe vermittelt nur noch die Illusion von Geschwindigkeit, und die aus bunten Abfallteilen zusammengebaute "Artillerie" gerät zur reinen Attrappe. Raschkes Kunst aus Ge- und Erfundenem ironisiert so das kleine private wie das große politische Leben, mal humorvoll, mal kritisch – und immer spannend.

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