Hasso von Henninges - Hans Karl Kandel.

Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)

18. März – 13. Juni 2011

Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)
Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)

Der Unterschied zwischen Malerei und Skulptur erscheine ihm „wie zwischen Sonne und Mond“, so Michelangelo 1549 in einem Brief – dennoch können beide, Malerei und Skulptur, eine spannungsvolle Zwiesprache eingehen. Das beweisen vom 18. März bis zum 13. Juni der Maler Hasso von Henninges und der Bildhauer Hans Karl Kandel in der Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd. In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung schaffen die beiden Künstler im früheren Langhaus der ehemaligen Dominikanerkirche einen weiten Raum von poetischer Stille. Diese meditative Raumwirkung entsteht im feinsinnigen Dialog zwischen der geometrisch-abstrakten Farbmalerei von Hasso von Henninges und der Geometrie der Boden-Skulpturen aus weiß belassenem Gips Hans Karl Kandels.

Eröffnung

Zur Eröffnung der Ausstellung
am Freitag, 18. März 2011 um 19 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde
herzlich in die Galerie im Prediger ein.
Die Künstler sind anwesend.
Es sprechen
Julius Mihm, Bürgermeister
Professor Eugen Gomringer, Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (ikkp), Rehau
Dr. Gabriele Holthuis, Museum und Galerie im Prediger

Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)
Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)
Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)

Der Farbe eine Form geben: die konkrete Malerei von Hasso von Henninges

Hasso von Henninges, 1943 in Berlin geboren, promovierte an der Berliner Universität in Philosophie und kam nach langjähriger Tätigkeit als Sozialwissenschaftler zur Kunst. Heute lebt und arbeitet er in Nürnberg und zeitweise auf Lanzarote.

Hasso von Henninges zählt zu den wichtigen Vertretern der Konkreten Kunst und Farbfeldmalerei in Deutschland. „Ich will der Farbe eine Form geben, ohne sie der Form und damit der Bedeutung zu opfern“, lautet sein künstlerisches Selbstverständnis. Frei von gegenständlichem Beiwerk, befassen sich seine Bilder mit Farbe als solcher, leben vom Klang der Farben, deren Materialität und Charakteristik, von Licht und Raumwirkung. Insbesondere die verwendeten Malmaterialien – meist Pastellkreide, die mit Hand auf den jeweiligen Träger aufgerieben wird – verleihen den Bildoberflächen eine offene, atmende, stofflich-samtig wirkende Aura, die der geometrischen Strenge der Bilder entgegen arbeitet. Der Betrachter wird so verwiesen auf die eigenen Sinneseindrücke und die besonderen optischen Reize, welche die Bilder von Hasso von Henninges ausstrahlen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei Werkgruppen des Künstlers: Zum einen Arbeiten, die sich mit den drei Farben schwarz/weiß/rot auseinandersetzen; zum anderen eine kleinformatige Farbreihe, für die das Gedicht „du blau“ von Eugen Gomringer Pate stand: darin wird ein DU angesprochen, dem alle Grundfarben als Qualitäten zugesprochen werden: „du blau / du rot / du gelb / du schwarz / du weiß / du“. In den Bildern werden jeweils drei dieser Grundfarben in einer von Bild zu Bild gleichbleibenden Dreiteilung der Bildfläche in Beziehung zueinander gebracht. Von den insgesamt 60 möglichen Farbkombinationen werden 36 Tafeln gezeigt.

Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)
Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)
Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)

Konzentrierte Ruhe und Leichtigkeit: die plastischen Arbeiten von Hanns Karl Kandel

Hans Karl Kandel wurde 1946 in Schwabach geboren und studierte von 1964 bis 1968 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Er lebt und arbeitet in Roth bei Nürnberg.

Hans Karl Kandels Arbeiten haben die Kreisform als Basis und sind reduziert sind auf geometrische Grundformen, vornehmlich auf Kegel, Kugel und Ring. Er fertigt diese Formen aus weiß belassenem Hartgips, was die Formstrenge unterstreicht. Kandels Objekte, ob als einzelne Bodenskulptur oder in Modulform in variablen Kompositionen zusammengesetzt, existieren in der Beziehung zum Raum; sie erkunden das Innen und Außen der plastischen Form, machen die Skulptur als Behältnis und den Raum im Raum neu erfahrbar. In ihrer formalen Reduziertheit vermitteln Kandels Plastiken konzentrierte Ruhe und Leichtigkeit.

Ausstellungsansicht: Poesie der Stille. Hasso von Henninges (Malerei) – Hans Karl Kandel (Skulptur)

Intensive Raumbezüge

Was die Kunst von Hasso von Henninges und Hans Karl Kandel verbindet, ist die Reduktion und Fragilität ihrer Arbeiten. Es ist das ausgewogene Verhältnis zwischen der rationalen Form und einer verhalten emotionalen Ausstrahlung. Kalkulierte Komposition vereint sich auf beiden Seiten mit der haptisch sinnlichen Qualität der Oberflächen: bei von Henninges ist es die blütenstaubfeine Bildebene aus farbiger Pastellkreide, bei Kandel die samtige Glätte aus weiß belassenem Gips. Farbfelder in Serien auf der einen und flexibel kombinierbare Formmodule auf der anderen Seite bilden jeweils für sich und miteinander intensive Raumbezüge. Wie überhaupt beiden Künstlern die Wirkung ihrer Arbeiten im Raum, den sie aktiv in ihr künstlerisches Denken mit einbeziehen, wichtig ist. Der Raum gibt Maß und Bezug vor, und er bestimmt die Ausstrahlung der jeweiligen künstlerischen Arbeit.

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