Franz Bernhard. Form ist alles – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen aus dem Morat-Block

Franz Bernhard. Form ist alles – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen aus dem Morat-Block

15. Februar – 20. Mai 2013

Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen aus dem Morat-Block
Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen aus dem Morat-Block

„Form ist alles: … die Bewegung, die als belebendes Moment die Figur durchzieht und sie trägt“, lautet das künstlerische Credo von Franz Bernhard. Seit über 40 Jahren prägt das bildhauerische Werk des heute 79-Jährigen die deutsche Kunstlandschaft. Sein Name steht in der Reihe der maßgeblichen Bildhauer, die seit Mitte der sechziger Jahre neue Darstellungsformen der abstrakten Figur entwickelt haben. Unter dem Titel „Form ist alles“ ermöglicht die Galerie im Prediger vom 15. Februar bis 20. Mai umfassende Einblicke in das Werk des renommieren Künstlers. Zu sehen ist der Gesamtbestand an 38 Boden- und Wandarbeiten aus dem Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg, der alle Schaffensphasen von Franz Bernhard repräsentiert. Fünf ausgewählte Zeichnungen, die dem Bildhauer Medium der Formfindung sind, begleiten die Werkschau.

Zur Eröffnung der Ausstellung

am Freitag, 15. Februar 2013 um 19 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde
herzlich in die Galerie im Prediger ein.

Es sprechen
Dr. Joachim Bläse Erster Bürgermeister
Franz Armin Morat Morat-Institut für Kunst
und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br.
Dr. Monika Boosen Museum und Galerie im Prediger

Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen aus dem Morat-Block

Zwischen Abstraktion und Figuration

Die Skulpturen von Franz Bernhard sind aus Holz, Eisen und Stahl gefügt. Sie besetzen den Raum als offene, lineare Konstruktionen oder als kompakte Blöcke. Die Titel „Hakenfrau“, „Sitzende“ oder „Kopf“ verweisen auf einen figurativen Ursprung seiner Arbeiten – auf Kopf, Büste und Figur. Der Mensch bildet den Ausgangs- und ständigen Bezugspunkt von Bernhards Arbeiten. Eines der bildhauerischen Grundmotive von Franz Bernhard ist der Kopf: einzeln, in Serie und im Ensemble, als Kopf, als Kopf mit Halsansatz, als Büste, als Boden- und Sockelarbeit, zum Hängen und Lehnen an die Wand. „Als Mensch interessiert mich der Mensch. Als Bildhauer interessiert mich besonders das Bild des Menschen“, formuliert Bernhard 1971 und legt damit seine künstlerische Position unmissverständlich fest.
Das bildhauerische Konzept Franz Bernhards bewegt sich auf der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration, ist im Abstrakten konkret, vollzieht sich als „Bewegung vom Ding zur Figur“, so seine eigenen Worte. Bernhard arbeitet mit einem Formenvokabular von radikaler Einfachheit. Der Mensch ist nur noch andeutungsweise erkennbar. Die Figuren sind eine Neuschöpfung aus Formteilen. Sie bestehen aus Bögen, Winkeln, Blöcken, aus stereometrisch verfestigten Formen. Leichte Drehungen aus den Achsen und Kippungen verleihen der Strenge des Konstruktiven Bewegung, Dynamik und Ausdruck. Assoziationen zu menschlichen Grundhaltungen wie Liegen, Lehnen und Sitzen werden geweckt. Die Figuren erscheinen als etwas Körperhaftes, bemessen die menschliche Proportion, ohne die Gestalt des Menschen nachzubilden.
Das konstruktive Verfahrensprinzip setzt sich fort in einem Dualismus des Materials: Holz, gebraucht und abgenutzt, und Eisen werden ungeschönt eingesetzt. Bewusst tragen die Arbeiten alle Zeichen ihrer Entstehung: Spuren von Säge, Hobel und Stechbeitel, Rost, Schweißnähte und freiliegende Schraubenköpfe. Während Holz als alter Werkstoff für konstruierende Eingriffe des Menschen steht, bringt Eisen natürliche materialtypische Momente ins Spiel. Daraus entwickelt sich ein materieller Dialog von großem Spannungsreichtum.
Ein weiteres zentrales Merkmal der Arbeiten von Franz Bernhard ist ihre unmittelbare, durch keinen Sockel beeinträchtigte, körpernahe Interaktion zum räumlichen Umfeld, zu Boden, Wand und Außenraum. Die skulpturalen Körper und der Raum sind wechselseitig aufeinander bezogen.

Zeichenhafte Hinweise auf den Menschen

Die Arbeiten von Franz Bernhard wollen Zeichen sein, „zeichenhafte Hinweise auf den Menschen geben“, wie er selbst sagt. Seine Kunst ist ein Ringen um inhaltliche Chiffren, um Gestaltformeln, die etwas vom Wesen des Menschen widerspiegeln. Das Thema des Menschenbildes wird bei ihm selbst in den reduziertesten Formen nie aufgegeben. Künstlerisch voller Schlichtheit, ist Bernhards Werk in jedem Augenblick menschliches Bekenntnis. In der Auseinandersetzung mit neuen Aussagemöglichkeiten im Bereich der abstrakten Figur zur menschlichen Existenz formuliert Bernhard diese nicht mehr als Metamorphose von Figur in Natur, sondern als eine Körper-Raum-Beziehung. Als „Gleichnisse“ und „Analogien“ zum menschlichen Wesen repräsentieren Bernhards Arbeiten das Körperhaft-Belebte menschlicher Existenz im Bezug zum Raum.

Biografie

Franz Bernhard wird am 17. Januar 1934 im südböhmischen Neuhäuser (heute: Nové Chalupy) geboren. 1946 übersiedelt er nach Siegelsbach (Kreis Heilbronn). Im Anschluss an eine 1949 begonnene Schreinerlehre und das Abitur (1956) studiert er von 1959 bis 1966 an der Kunstakademie Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. 1972 zieht er in das vorderpfälzische Jockgrim, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seit 1965 zeigen Einzel- und Gruppenausstellungen Bernhards Werk. 1977 nimmt er an der documenta 6 teil. Franz Bernhard ist mit seinen Arbeiten in zahlreichen wichtigen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten und mit großformatigen Stahlskulpturen auch im öffentlichen Raum vielfach präsent. Zu den zahlreichen Preisen und Ehrungen, die Franz Bernhard seit 1968 (Villa-Romana-Preis) zuteilwerden, gehören unter anderem der Pfalzpreis für Plastik (1975), der Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg (1977), der Lovis-Corinth-Preis (1989), das Bundesverdienstkreuz (1998), die Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg, der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz (2004) und der Erich-Heckel-Preis des Künstlerbundes Baden-Württemberg (2007). Franz Bernhard war Mitglied der Akademie der Künste Berlin (1990-1992) und langjähriger Erster Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg (1994-2001), dessen Ehrenvorsitzender er ist.

Katalog

Zur Ausstellung liegt der 2001 erschienene Katalog „Franz Bernhard. Der Morat-Block“ auf. Zahlreiche Abbildungen und Texte von Franz Armin Morat, Dieter Brunner, Kai Uwe Schierz, Andrea Weber und Thorsten Rodiek vermitteln einen umfassenden Blick auf das Werk von Franz Bernhard: 120 Seiten, 25 Euro.

ZUM BILD