Manuela Tirler. Weed Control I

20. September – 24. November 2013

Ausstellungsansicht: Manuela Tirler. Weed Control I. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ausstellungsansicht: Manuela Tirler. Weed Control I. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Als „zeitlose Augenschmeichler“ und „dreidimensionale Erlebnisräume“ rühmte die Kunstkritik die Stahl- und Eisenarbeiten von Manuela Tirler – Naturchiffren, mit denen die junge Bildhauerin bereits eine unverwechselbare Position in der zeitgenössischen Skulptur einnimmt. Vom 20. September bis 24. November zeigt die Galerie im Prediger in der Ausstellung „Weed Control I“ 20 Skulpturen der Künstlerin. Die Objekte repräsentieren zehn Werkgruppen und sind, mit einer Ausnahme, in den letzten beiden Jahren entstanden. Damit bildet die Ausstellung sowohl einen Querschnitt durch das skulpturale Schaffen als auch ein Fazit der gegenwärtigen Arbeit der Künstlerin. Ergänzend zu den Werken ist in der Ausstellung ein Video zu sehen; es zeigt als unabhängige Arbeit, wie die Skulpturen der „Tumbleweed“-Serie entstehen, deren Entstehungsprozess Manuela Tirler gefilmt hat.

Eröffnung

Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse eröffnet die Ausstellung am Freitag, 20. September, um 19 Uhr.
Zum Werk von Manuela Tirler spricht die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Lüdtke,
zur Ausstellung Museumsleiterin Dr. Monika Boosen.

Ausstellungsansicht: Manuela Tirler. Weed Control I. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Naturanklang und geometrische Struktur

Der Ausstellungstitel „Weed Control I“ (zu Deutsch: „Unkraut-Bekämpfung“) bereits eröffnet, dass Manuela Tirler im Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst arbeitet. Ihr Interesse gilt der Vielfalt der Formen, die sie in der Natur findet. Vor allem Bäume, Sträucher und Steinformationen inspirieren sie. Und sie interessiert sich für räumliche Strukturen.
Seit Anbeginn verwendet die Bildhauerin Stahl und Eisendraht. Aus diesem technoiden Industriematerial, kühl und korrodiert, spröde, scharfkantig und schwer, schafft sie schwerelos wirkende, abstrakte Gebilde, die an Naturvorgänge und -erscheinungen erinnern: an Buschwerk oder Ranken, an vom Wind zerzauste Bäume oder Pflanzenkelche. Die Rhetorik des Materials überführt sie in eine spannungsreiche Balance zwischen Naturanklang und geometrischer Struktur, zwischen skulpturaler Setzung und dreidimensionaler, linearer Raumzeichnung.
Die Bandbreite im Werk der Bildhauerin ist beträchtlich, sowohl hinsichtlich der Materialbehandlung als auch bezüglich der -bearbeitung. Das Spektrum reicht von der Werkgruppe „Weed Stack“, dem Namen nach ein „Unkraut-Haufen“, in der eine filigrane Struktur und Leichtigkeit ins Auge sticht, führt über die Serie der „Waldstücke“, aufwärts strebende Eisengestänge, die zu einer Art Reisigbündel zusammengeschweißt sind, bis zur Gruppe der „Quake“ (zu Deutsch: „Beben“ oder „Erdbeben“): gesprengte Stahlplatten, welche im Landschaftsmotiv die Gewalt eruptiver Kräfte in Szene setzen.
Darüber hinaus sind Manuela Tirlers Skulpturen nie eindimensional festgelegt, sondern zielen auf eine materiell und formal begründete Mehrdeutigkeit. So lassen die Arbeiten der Serie „Weed Sphere“ in ihrer gestrüpphaften Gestalt und Schalenform auf der einen Seite an ein überdimensionales Nest denken oder einen gebundenen Kranz. Auf der anderen Seite ließe sich diese Konstellation vor dem Hintergrund des mitgegebenen Sphären-Titels zugleich als stahlgewordene Milchstraße enträtseln, die um ein Schwarzes Loch kreist.

Raumbezug und Spiel mit Gegensätzen

Manuela Tirler arbeitet zudem entschieden raumbezogen. Ihre Arbeiten entfalten sich im Energiefeld untereinander und in Bezug auf das Raumvolumen, das sie verändern. Das gilt für die „Tumbleweeds“ (zu Deutsch: Steppenläufer) ebenso wie für die „Weed Cones“. Erstere tonnenschwere, vom Bagger aus Armiereisen geformte Kugeln, die unmittelbar an die dürren, über kargem Steppen- und Wüstenboden verwehten Pflanzen erinnern, und deren kugelförmige Naturstrukturen die Künstlerin formal als Ready-mades auf den schweren Stahl überträgt. Letztere konische Formen, zypressenartig schlanke Raumkörper, die mit dem Bagger modelliert und gepresst und überdies durch Eisenstahl ergänzt und mit dem Schweißbrenner nachbearbeitet werden. Mal konzentrieren die Skulpturen den Raum, wie in den „Tumbleweeds", mal sprengen sie diesen, wie die „Quakes“.
Die Arbeiten von Manuela Tirler beziehen ihre Faszination aus dem Spiel mit Gegensätzen: Zufall und Kontrolle, Chaos und Ordnung, Raum und Zeit, das Ganze und das Fragment, Linie und Körper, Starrheit und Bewegung, Nüchternheit und Poesie. In ihnen verbinden sich kraftvolle Dynamik mit hohem ästhetischem Reiz, Leichtigkeit mit Schwere. Leichthändig und mit Eleganz überspielen sie die herkömmlichen Vorstellungen vom Charakter der Stahl- und Eisenplastik.

Biografie

Manuela Tirler, geboren 1977 in Stuttgart und aufgewachsen in Morristown/Tennessee (USA) und Wiernsheim (Enzkreis), studierte zunächst an der Freien Kunsthochschule Nürtingen (1998) dann, von 2002 bis 2008, Freie Kunst und Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Werner Pokorny, Micha Ullman, Markus Ambach und Rainer Ganahl. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowie etliche Auszeichnungen, Preise und Stipendien begleiten ihre noch junge Karriere. Zu nennen wären der Studienaufenthalt mit dem Baden-Württemberg-Stipendium in San Francisco/USA (2007), das Akademiestipendium der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (2009-2010), das Atelierstipendium der Stadt Nürtingen (2008-2010) und des Landkreises Esslingen (2010-2013), und der Gerlinde-Beck-Preis für Skulptur (2009).

Katalog

Zur Ausstellung, die im Museum im Kleihues-Bau in Kornwestheim als Reihe fortgesetzt wird, erscheint ein Katalog.

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