Martin Schwenk. Affentellerschraubenblockbaumbuster

14. Juni –1. September 2013

Ausstellungsansicht: Martin Schwenk. Affentellerschraubenblockbaumbuster © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ausstellungsansicht: Martin Schwenk. Affentellerschraubenblockbaumbuster © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

In einen fremdartigen Garten gänzlich unbekannter, fantastischer Pflanzenwelten verwandelt sich vom 14. Juni bis 1. September 2013 die Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd: hier ein baumartiges Etwas mit Holzlatten als Stamm und Acrylglas-Geäst, dem mit PU-Schaum geformtes Laubwerk entsprießt; dort ein knollenartiges Gebilde, das an eine Ingwerwurzel denken lässt; hier ein exotisch anmutendes Strauchgebilde mit kreisrund geformten, rotbraunen Acrylglas-Scheiben als Blätterdach; dort ein weißliches Wurzelgeflecht, das sich ausgreifend wuchernd aus der Decke in den Raum windet. „Affentellerschraubenblockbaumbuster“ heißt dieser exotische Garten künstlicher Naturgebilde, den der Düsseldorfer Bildhauer Martin Schwenk speziell für die Gmünder Prediger-Galerie als Rauminstallation angelegt hat. Vereint sind darin neun Arbeiten des Künstlers der vergangenen zehn Jahre.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (48 Seiten, 10 Euro). Exklusiv für die Gmünder Ausstellung hat Martin Schwenk eine Edition zehn limitierter Aquarellzeichnungen gefertigt; jedes Blatt der Edition ist somit ein Unikat und während der Ausstellung zum Vorzugspreis 500 Euro zu erwerben.

Eröffnung

Bürgermeister Julius Mihm eröffnet die Ausstellung am Freitag, 14. Juni, um 19 Uhr. Stefanie Patruno, Kustodin an der Kunsthalle Mannheim für Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts und Neue Medien, führt in das Werk des Künstlers ein. Zur Ausstellung spricht Museumsleiterin Monika Boosen.

Ausstellungsansicht: Martin Schwenk. Affentellerschraubenblockbaumbuster © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Analogien parallel zur Natur

Der Bildhauer Martin Schwenk formuliert im Spannungsfeld zwischen Kunst und Natur einen eigenständigen wie eigenwilligen, überraschenden wie überzeugenden Standpunkt. Im offenen Prozess der Skulptur gestaltet er den ebenfalls offenen Prozess der Natur. So entstehen Analogien parallel zur Natur, in denen sich Ordnung und Chaos, Schönheit und Wunderlichkeit, Wachsen und Wuchern, Werden und Vergehen zugleich vergegenwärtigt. Martin Schwenk interessiert vor allem, was sich aus dem eigengesetzlichen Bauplan der Natur für den ebenfalls autonomen künstlerischen Gestaltungsprozess abstrahieren lässt. Bauprinzipien der Natur führt er mit denen der Skulptur zusammen, so, als wolle er fragen: Wie kann ein Bild der Natur geschaffen und vermittelt werden, wenn diese für das Bild nicht zur Verfügung steht? In gleicher Weise, wie Natur sich nicht nach einem von außen, nach Büchern und Abbildungen vorgegebenen Plan entfaltet, sondern nach einem inneren Muster, genauso entwickelt Martin Schwenk seine pflanzlichen Gebilde nach rein kunstimmanenten Kriterien.
Martin Schwenk konstruiert aus Kultur- Naturformen, formt Erscheinungen der Natur mit Materialien, die ihr fremd sind. Die Stoffe, die Martin Schwenk für seine Skulpturen verwendet, verheimlichen ihre Herkunft nicht: es sind handelsübliche Baumarktprodukte großenteils synthetischer Herstellung. Dabei nutzt er vor allem Materialien, die sich verformen, kneten und beschneiden, kleben, schweißen und verschrauben lassen – Acryl- und Plexiglas, Gießharz und Polyester, Fimo und PU-Schaum; daneben Gips, Ton, Stoff und Holz. Diese Stoffe erlauben ihm ein kreatives Experimentieren in einem flexiblen Werkprozess. Besonders die kurzen Zeitspannen, während die Materialien bis zum Erkalten formbar sind, findet Schwenk besonders spannend. In diesen Phasen kreiert er in aufwendigen und langwierigen Verfahren seine Objekte. Das beinhaltet auch, Entstandenes zu verwerfen, später wieder aufzugreifen, zu bearbeiten und mit Neuem zu kombinieren.
Die Arbeiten von Martin Schwenk beleuchten Fragen der Skulptur und deren Geschichte, behandeln das Zusammenspiel von Form und Material, die Beziehung von zu Boden und Raum. Ein ausgewogenes Prinzip zwischen Dynamik und Statik, Schwere und Leichtigkeit, Verdrängen und Raum erschließen, Stabilität und Labilität sind die zentralen Momente seiner Skulpturen. Im Spannungsfeld zwischen abstrakt und konkret geraten Schwenks Arbeiten zu einer wunderbaren Visualisierung der Natürlichkeit des Künstlichen, die zugleich auf die Künstlichkeit des Natürlichen verweist. Sie sind rationales Kunst-Objekt und zauberhaftes Natur-Zitat.

Biografie

Martin Schwenk, geb. 1960 in Bonn, studierte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1981-1987) und war dort Meisterschüler bei Günther Uecker. 1993 wurde er mit dem Bergischen Kunstpreis Solingen ausgezeichnet. Neben einem Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V. Bonn (1994) erhielt er das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium (1995) und eine Projektförderung der „Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW“ (1998). Von 1999 bis 2003 hatte er an der Kunstakademie Düsseldorf einen Lehrauftrag inne. Seit 2010 ist er Professor für Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz. Martin Schwenk lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Mit freundlicher Unterstützung von

Kreissparkasse Ostalb, Stadtwerke Schwäbisch Gmünd,
Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft mbH

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