Erich Hauser.

Dimensionen im Raum – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen

2. März – 6. Mai 2012

Ausstellungsansicht: Erich Hauser. Dimensionen im Raum – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ausstellungsansicht: Erich Hauser. Dimensionen im Raum – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Unter dem Titel „Dimensionen im Raum – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen“ lenkt die Galerie im Prediger den Blick auf das Werk von Erich Hauser. Hausers unverwechselbares skulpturales Schaffen, entstanden in über 40-jähriger intensiver Auseinandersetzung mit dem Material Stahl, markiert einen bedeutenden Beitrag zur Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts. In vielen Städten im In- und Ausland setzen seine Stahlskulpturen prägende Akzente. Werke des vielfach ausgezeichneten Künstlers finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Die Ausstellung präsentiert aus allen Werkphasen von Erich Hauser zwölf ausgesuchte, teils noch nie gezeigte plastische Arbeiten. Ebenso viele Zeichnungen, in denen der Bildhauer fortwährend plastisch denkbare Entfaltungen durchstudiert hat, begleiten die Werkschau.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Kunststiftung Erich Hauser.

Zur Eröffnung der Ausstellung

am Freitag, 2. März 2012 um 19 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde
herzlich in die Galerie im Prediger ein.

Es sprechen
Dr. Joachim Bläse Erster Bürgermeister
Dr. Heiderose Langer Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil
Joachim Haller M.A. Museum und Galerie im Prediger

 

Ausstellungsansicht: Erich Hauser. Dimensionen im Raum – Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Das Werk von Erich Hauser

„Es ging mir von Mitte der 60er Jahre an und dann immer mehr darum, in den Raum zu kommen, Dimensionen im Raum aufzuschließen, um einfach die Skulpturen, wo sie formal aufhören, durch die Lichtführung in die Unendlichkeit weiterzuführen“, so zu Erich Hauser zu seiner bildhauerischen Intention. Schon früh findet er im Stahl den Werkstoff, welchen er mit konsequenter Ausschließlichkeit seit den frühen 1960er Jahren einsetzt. Zunächst verwendet er industriell vorgefertigte Stahlplatten, die er durch partielles Erhitzen biegsam macht und nach dem Prinzip der Montage zusammenschweißt. Seit Mitte der 1960er Jahre entstehenden Plastiken, die formal an vegetative Formen, aufplatzende Fruchtkapseln und ineinander verschachtelte Muscheln erinnern. Die Oberflächen dieser Arbeiten sind gekennzeichnet durch die sichtbaren Arbeitsspuren, welche wie Narben die Oberflächen überziehen. Die Härte des Materials und gleichzeitig die Spannung des gewölbten Stahls sind für den Betrachter sinnlich erfahrbar. Ab 1968 orientieren sich die Skulpturen an der geometrischen Form der Säule. Als Grundelemente dienen Röhren und Zylinder sowie Segmente, die als Gruppen zusammengestellt und aneinandergereiht werden. Entscheidende Bedeutung kommt dabei der Behandlung der Oberflächen zu: auf den glattpolierten und makellosen Oberflächen verhindern keine sichtbaren Schweißnähte oder Graphismen von Werkzeugen mehr den Lauf des Lichts. Das Licht erlangt als formartikulierendes Element eine elementare Rolle. Im Dialog der Form mit den natürlichen Lichtreflexen erhält das kühle, technische Material Stahl eine sinnliche Ausstrahlung, welche die Phantasie des Betrachters zu beflügeln vermag. Hausers Skulpturen weiten sich in den Luftraum, dehnen sich aus, schreiten, drehen und winden sich. Ab Mitte der 1970er-Jahre setzte eine neue Werkphase ein. Zwar ist weiterhin die Durchdringung von Innen und Außen sein Thema und damit das Verhältnis von Fläche, Volumen und geschnittener Linie, doch die runden, rechteckigen und quadratischen, immer harmonisch wirkenden Formgebilde entfalten sich nicht mehr elegant und sanft, sondern platzen plötzlich auf. Sie scheinen zu explodieren. Spitze Ecken und Kanten ragen aus ihrem Inneren heraus. Reliefs, Kuben, Würfel und Scheiben werden zunehmend kristalliner und zerklüfteter, was den Arbeiten eine ungewöhnliche innere Spannung verleiht.

Prägender Wegbereiter

Auch wenn Erich Hauser seine Plastiken über die Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Phasen modifiziert und weiterentwickelt hat, bleibt die Handschrift seiner künstlerischen Arbeit in ihren Grundzügen unverändert. Die Balance zwischen konvexen und konkaven Flächen, harten Kanten und sanften Wölbungen, Schwere und Leichtigkeit, Ruhe und Bewegung, präzisen Formen und spielerischen Elementen kennzeichnen seine Skulpturen und verleihen ihnen ihren besonderen Reiz. Komplexität und Einfachheit, verbunden mit dem Prinzip der Raumerschließung, bestimmen die geometrischen Grundformen. Die Eigenständigkeit und unnachahmliche Qualität seines Werks machen Erich Hauser folgerichtig zu einem prägenden Wegbereiter seiner bildnerischen Gattung.

Natur neu sehen – Räume erschließen

Erich Hausers Plastiken wohnt eine mit Wachstum vergleichbare naturhafte Dynamik inne, die aus der Lichtführung beleuchteter und verschatteter Flächen resultiert. Die kalkulierte Rhythmisierung der Flächen ergibt eine aufstrebende Bewegung, die aus der Erde heraus zu brechen scheint. Der Dialog mit der Natur war und bleibt für Hauser über sein gesamtes Schaffen hinweg eine seiner wichtigen künstlerischen Impulse – er kehrte ihn jedoch ins Gegenteil, indem er, wie er es selbst ausdrückt „die Form gegen die Natur setzt“, um dem Betrachter zu ermöglichen, die Natur neu zu sehen und zu erleben. Zu den grundlegenden Parametern im Werk von Erich Hauser gehören auch die Auswirkungen seiner Plastiken auf den Raum. So hat er schon 1968 erklärt: „Es ist mir wichtig, wie eine Plastik sich verhält zur Architektur, zur Landschaft, zum Baum, zum Menschen, zum Auto, zur Technik. Die Dimension wird auch damit bestimmt, was menschlich fassbar ist; das heißt, so weit ich den Raum ablesen, durchdenken und beherrschen kann.“

Biografie

Erich Hauser kommt am 15. Dezember 1930 in Rietheim, Kreis Tuttlingen zur Welt. Nach dem 2. Weltkrieg absolviert er in Tuttlingen eine Lehre als Stahlgraveur und nimmt gleichzeitig Unterricht im Zeichnen und Modellieren beim Künstlermönch Pater Ansgar im Kloster Beuron. Nach Abendkursen an der Freien Kunstschule in Stuttgart lässt er sich 1952 als freier Künstler in Schramberg nieder. 1963 erhält er den renommierten Kunstpreis „Junger Westen“, auf der 3. Biennale von Paris die „Mention honorifique“. Erste größere Aufträge stellen sich ein. Dreimal wir er in den Folgejahren zur Documenta nach Kassel eingeladen: 1964, 1968 und 1977. 1969 erhält er den Großen Preis auf der X. Biennale in São Paulo – die damals bedeutendste internationale Auszeichnung, die ein Bildhauer erreichen konnte. 1970 übersiedelt er auf das Gelände der ehemaligen Saline Wilhelmshall in Rottweil – heute Sitz der Kunststiftung Erich Hauser, die er 1996 gründet. Ebenfalls 1970 wird er Mitglied der Akademie der Künste Berlin und begründet das „Forum Kunst“ mit. Erich Hauser erhält zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1979) und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (2000). Wiederholt bekleidet er an Hochschulen Gastprofessuren. Am 28. März 2004 stirbt Erich Hauser in Rottweil.

Für die freundliche Unterstützung danken wir

der Kreissparkasse Ostalb und der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft mbH

ZUM BILD