Dagmar Hugk. natural species resort

31. Januar – 21. April 2014

Ausstellungsansicht: Dagmar Hugk. natural species resort. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ausstellungsansicht: Dagmar Hugk. natural species resort. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Als Ouvertüre in das Jahr 2014 und die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd breitet Flora in der Galerie im Prediger ein Blütenmeer aus: vom 31. Januar bis 21. April in der Ausstellung „natural species resort“ mit Dagmar Hugk. Die Kölner Künstlerin zeigt in diesem „Resort für natürliche Arten“ eine eigens für Schwäbisch Gmünd konzipierte Rauminstallation sowie großformatige Fotografien, in denen Natur urwüchsig zu wuchern scheint. Doch der zweite Blick irritiert und verrät botanische Capricen, denn: es sind gar keine realen Blumen, sondern exakt komponierte Fakes, mit denen Dagmar Hugk den Betrachter in eine „Flora futuralis“ entführt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Eröffnung der Ausstellung

Freitag, 31. Januar 2014, um 19 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend.
Es sprechen:
Julius Mihm, Bürgermeister
Dr. Barbara Willert, Leiterin Museum Ritter, Waldenbuch
Dr. Monika Boosen, Museum und Galerie im Prediger

Ausstellungsansicht: Dagmar Hugk. natural species resort. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Natur als Laborsituation

Pflanzen – werden sie nicht schon lange durch Experiment und Zucht optimiert? Und wohin führen solche Manipulationen der Natur? Um solche Fragen kreist die künstlerische Arbeit von Dagmar Hugk. Sie beschäftigt sich mit der visuellen Repräsentation von Natur und unserem Verhältnis zu ihr. Ausgangspunkt ihrer Fotoarbeiten sind raffiniert gebaute Makroaufnahmen von Modellen fiktiver Organismen: Blüten und Blätter, Rispen und Ranken, die sie zuvor mit künstlichen plastischen Applikationen aus unserer Lebenswelt verfremdet und in exotisch anmutende Hybride verwandelt hat, wie sie auch die Natur hätte hervorbringen können. Das Ganze passiert am realen Naturobjekt, nicht mittels Bearbeitung am Computer. Die ausgeschnitten Fotos manipulierter Natur verdichtet und inszeniert sie in Installationen zu scheinbar unkontrolliert sich ausbreitenden Gebilden. Vertrautes und Fremdes, Tatsächliches und Imaginiertes, Natur- und Kunstform erzeugen eine schillernde Vorstellung von möglichen autonomen Wirklichkeiten: Natur erscheint als Laborsituation und „Black Box“ menschlicher Vorstellungen und Erfindungen.

Mit ihren verstörenden Pflanzengebilden beleuchtet Dagmar Hugk die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion und die vielfältigen Irritationen des modernen Naturverständnisses und -verhältnisses. Zugleich verweist das „Naturschöne“ ihrer Bildwelten auf das nie sich gleich Sein mit der Welt der Phänomene, die ständigen Veränderungen unterworfen ist – sei es natur- oder menschenbedingten. Deutlich wird darin aber auch, dass sich die neuen Techniken der Manipulation der Natur mit anderen Intentionen auf das richten, worauf auch die Kunst abzielt: auf das Individuelle und Subjektive.

Zweifel am fotografischen Blick

Dagmar Hugk thematisiert in ihrer Arbeit aber nicht nur unseren Blick auf unser Bild von der Natur. Sie befragt auch ihr künstlerisches Medium: die Fotografie. Galt die Fotografie in ihren Anfängen im 19. Jahrhundert noch als Träger unbezweifelbarer Dokumente, welche die Wirklichkeit bezeugen, kann sie heute mittels digitaler Technik mühelos Echtheit vortäuschen und Wirklichkeit simulieren. Doch gerade an der digital modifizierten Fotografie wird deutlich, dass der Anschein erfüllter Referenz selbst dort zum fotografischen Bild gehört, wo es diesem Gestus längst nicht mehr länger entspricht. Dagmar Hugs Fotografien sind realistische Bilder und sind es doch nicht, insbesondere dort, wo sie scheinbar vertraute Natur erscheinen lassen. Sie zweifeln gewissermaßen am fotografischen Blick, als dessen Resultat sie sich präsentieren. Und zwar im Sinne einer die Möglichkeiten des fotografischen Sehens befragenden Kombination von realistischer Geste einerseits und poetisch-imaginativer Komposition andererseits, die Fragen gentechnologsicher Schöpfungsphantasien aufwirft.

Biografie

Dagmar Hugk, 1965 in Oldenburg geboren, studierte von 1990 bis 1996 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK), wo sie Meisterschülerin bei John Armleder und Lienhard Monkiewitsch war. Seit 1997 lebt und arbeitet sie in Köln. 1998/99 war sie Kuratorin der Projekte „Fettes Land“ (mit Andrea Böning und Magnus von Stetten), von 2003 bis 2010 realisierte sie zusammen mit Annette Voigt die Projektreihe „Garten“. Verschiedene Stipendien sowie Einzel- und Gruppenausstellungen begleiten ihre künstlerische Laufbahn.

Mit freundlicher Unterstützung

Kreissparkasse Ostalb, Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft mbH

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