Stadtgeschichte

Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd

Grafische Sammlung, Kupferstich von Lucas Kilian
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Brustbild des Dr. iur. Leonhard Kager (1538-1616) im Alter von 69 Jahren. Er versuchte als Syndikus der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd vergeblich gegen Denunziation bei den Hexenprozessen vorzugehen.

Die Hexenverfolgungen  in Schwäbisch Gmünd – Verfolgungswünsche aus der Bürgerschaft wegen zweier Unwetter, die man sich rational nicht erklären konnte - begannen im Juli 1613 und endeten vorerst im Jahr 1617 mit knapp fünfzig als Hexen hingerichteter Frauen, auch zweier Männer als Hexer. Das sprunghafte Anschwellen der bis dahin weitgehend unbekannten Hexendenunziationen in Schwäbisch Gmünd, beunruhigte anscheinend den Magistrat, der seinen erfahrenen Ratskonsulenten Dr. Leonhard Kager beauftragte, die juristische Tragbarkeit von Hexenprozessen überhaupt zu überprüfen.

In zwei ausführlichen Denkschriften versuchte der Schwäbisch Gmünder Stadtsyndikus Dr. Leonhard Kager die Hexenverfolgung durch Denunziationen unter der Folter einzuschränken. Nach seinen juristischen Darlegungen stellte sich die – auch von ihm im Grundsatz nicht geleugnete Hexerei – in ihren Auswirkungen in Teilen als geistiges Verbrechen dar, das nicht unbedingt die Todesstrafe nach sich ziehen musste.

Diese Argumentation überzeugte anscheinend den Magistrat in Schwäbisch Gmünd nicht: Wohl zuerst als Hilfskraft des alternden Dr. Kager, dann seit dem 13. September 1613 als offizieller Beamter der Reichsstadt, übernahm der Jurist Dr. Leonhard Fritz augenscheinlich die Hexengeschäfte. In einem Gegengutachten widerlegte er die Argumentation des Dr. Kager in wesentlichen Teilen als „uncatholisch“ und stufte Hexerei als „Ausnahmeverbrechen“ ein, das auf jeden Fall mit dem Tod zu bestrafen sei. Das Gutachten des Dr. Fritz wurde so zur Rechtsgrundlage für alle weiteren Verfolgungen in der Reichsstadt an der Rems.

Mit in den Rahmen dieser ersten großen Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd gehörte der Prozess gegen den Priester und Benefiziaten an der Heilig - Kreuz - Pfarrkirche Melchisedech Haas aus den Jahren 1616/17. Der offensichtlich geistig verwirrte Mann wurde unter anderem bezichtigt, dem Teufel gehuldigt zu haben. Haas wurde verurteilt und in Dillingen an der Donau, am Sitz des Augsburger Bischofs, gerichtet: Ihm wurde zuerst die rechte Hand und dann der Kopf abgeschlagen. Sein Haus – angrenzend an den Garten der Fuggerei – ließ der Magistrat bis auf die Grundfesten niederreißen.

Während im Zeitraum des Dreißigjährigen Kriegs die Hexenprozesse in der Reichsstadt an der Rems weitgehend einschliefen, und nur aus der Zeit kurz vor und nach dem Kriegsende einige Prozesse bekannt sind, stieg die Hexenverfolgung im Jahr 1684 noch einmal an und forderte vier Opfer. Insgesamt fielen etwa 55 Personen – überwiegend Frauen – dem Hexenwahn in Schwäbisch Gmünd zum Opfer.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Brustbild des Dr. iur. Leonhard Kager (1538-1616) im Alter von 69 Jahren. Er versuchte als Syndikus der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd vergeblich gegen Denunziation bei den Hexenprozessen vorzugehen.

Spital zum Heiligen Geist, B 222
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Sterbefälle im Gefällbuch der Hospitalpfründner von St. Katharina:

Den 16. Junii hat man die Maria Schleicherin lebenndig verbrindt

Den 20. hat man den Hannß Schreiner den

Kopf abgehauen und auch verbrindt

Den 8. August hat man die Anna Jelin lebindig verbrant

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